Fr, 17. November 2017

Stadthallen-Konzert

04.12.2013 00:48

Imagine Dragons als die perfekten Schwiegersöhne

Kein Wunder, dass die US-Indie-Rocker Imagine Dragons unlängst kurzerhand vom Gasometer in die Wiener Stadthalle verlegt wurden. Am Dienstagabend feierten an die 8.000 Fans die Erfolgshits des Quartetts, das zudem eine kräftige Charme-Offensive auffuhr.

"Es ist unglaublich – vor etwa einem halben Jahr spielten wir hier noch im Flex", ist Imagine Dragons-Sänger Dan Reynolds schon zu Beginn des Stadthallen-Konzerts ob des massiven Fan-Auftriebs verwundert. Dieser Satz hat nur seine Richtigkeit, wenn man es geografisch ganz streng nimmt. Denn dazwischen brachten die US-Amerikaner Tausende Menschen in der sengenden Nachmittagssonne beim Frequency in St. Pölten zum Schwitzen. Am Dienstag sind es gut 8.000 Begeisterte – ein starker Schnitt, wenn man bedenkt, dass die Band erst ein volles Album auf den Markt gebracht hat.

Indie-Rock für den Mainstream
Das schlug nicht nur am österreichischen Markt voll ein, sondern hat den Hype um das Quartett gleich global in die Höhe schnellen lassen. Das Erfolgsgeheimnis ist schon nach dem Eröffnungssong "Round And Round" ausgemacht. Einerseits liegt es an der fast schon penetrant-sympathischen Ausstrahlung von Reynolds, andererseits an den leichtfüßigen Indie-Rock-Klängen, die sich trotzdem nicht davor scheuen, mit viel poppiger Attitüde und kuscheliger Atmosphäre den Mainstream-Thron zu erklimmen.

Über die Begeisterung in Europa war die Band schon zu Jahresbeginn im "Krone"-Interview (siehe Infobox) begeistert, mittlerweile spielen sie tatsächlich ganz vorne in der A-Liga. Songs wie "Amsterdam", "Tiptoe" oder das frappant an die Killers erinnernde "Hear Me" schlängeln sich leichtfüßig durch die Gehörgänge und weichen dabei geschickt der größten Gefahr, der Redundanz, aus. Das liegt vor allem am geübten Rhythmuskorpus der Band. Gitarrist Wayne Sermon und Kollegen wissen gut, dass eine Headliner-Show mit nur einem Album im Rücken relativ dünn ausfallen kann und verstärken die radiotauglichen Songs mit instrumentalen Interludien und diversen Soloeinlagen.

Mit Charme und Sympathie
Zwischen all dem gefühlten Weltschmerz, der vor allem von Reynolds durchdringender Stimme ausgeht, bleibt dem Sänger während des gut eineinhalbstündigen Auftritts genug Zeit, um seine Liebe zur Stadt offenzulegen. Die glaubhaft präsentierte Geschichte, dass er seiner Mutter - während einer kurzen Tourpause - Wien und Prag als absolute Lieblingsstädte genannt hat, nimmt man ihm mühelos ab. Allgemein sind es die Freude und ständige Interaktion mit dem Publikum, welche die Imagine Dragons angenehm von der schweigsamen und introvertierten Indie-Zunft abhebt.

Die Stimmung in der Stadthalle ist prinzipiell hervorragend, steigert sich aber parallel zu den Songs. Das Blur-Cover zu "Song 2" ist zwar nicht besonders innovativ und herausfordernd, zeigt aber deutlich, dass die Amerikaner auch mal drauflosrocken können und ihre musikalischen Wurzeln weitverzweigt sind. Bei bekannten Chart-Hits wie "It's Time", "Demons" oder "On Top Of The World" kennt der stimmungsvolle Wahnsinn keine Grenzen mehr. Sänger Reynolds unterstützt die Songs als Percussionist und zwischendurch erkennt man die mannigfaltigen Einflüsse der Band, die von Cheap Trick bis hin zu Lynyrd Skynyrd reichen.

Schrittweise voran
Doch erst das am Ende des regulären Sets eingestreute "Radioactive" offenbart die wahren Stärken der Band. Die intensive Hymne entfacht live, mit Unterstützung von elektronischen Elementen und Gesangsverstärkung aus dem Publikum, erst seine volle Wirkung. "Nothing Left To Say" als Abschlussnummer zu wählen, ist schon vom Titel her geschickt, dann auch noch das legendäre "Top Gun"-Gitarrenriff von Steve Stevens einzubauen, sehr durchdacht. Es bleibt abzuwarten, wie groß die nächsten Schritte der Imagine Dragons sind. Vom Flex in die Stadthalle war es schließlich nur ein kleiner.

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