Do, 14. Dezember 2017

Wütende Proteste

18.09.2013 16:33

Athen: Linksaktivist von Rechtsradikalem ermordet

Die ohnehin schon angespannte politische Situation im krisengebeutelten Griechenland ist in der Nacht auf Mittwoch mit dem tragischen Tod eines 34-jährigen Linksaktivisten weiter verschärft worden. Der mutmaßliche Täter, der ein Mitglied der rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte sein soll, habe im Zuge eines politischen Streits zu einem Messer gegriffen und auf seinen Kontrahenten eingestochen, berichteten örtliche Medien. Das Opfer erlag später im Spital seinen Verletzungen. Die Empörung über den Mord geht einher mit einem neuerlichen Generalstreik.

Der 34-jährige Hip-Hopper Pavlos Fyssas (kl. Bild) war demnach gegen Mitternacht vor einem Lokal in einen Streit über Fußball geraten, der sich dann zu einer Auseinandersetzung über politische Themen entwickelte. Antarsia - eine linksgerichtete Gruppierung, der auch der Getötete angehörte - sprach empört von einem Racheakt aufgrund Fyssas' "antifaschistischen Engagements" und rief zu Protesten am Tatort und im ganzen Land auf.

Nach Angaben der "Vereinten Front gegen Faschismus und rassistische Bedrohung" war der Musiker in einen "Hinterhalt" geraten und wurde zusammen mit anderen Gesinnungsgenossen von rund 40 schwarzgekleideten Neonazis mit Knüppeln angegriffen. Der mutmaßliche Täter, der bei seiner Festnahme ein Messer bei sich trug, bekannte sich zu der Tat und gab laut Polizei zu, Mitglied der Goldenen Morgenröte zu sein. Die rechtsextreme Partei hingegen stritt jede Verwicklung in die Tat ab, die "politisch instrumentalisiert" worden sei.

Regierung spricht von "Tat, die die Demokratie untergräbt"
Die Regierung in Athen gab sich geschockt, verurteilte den Mord und kündigte - nicht näher erläuterte - Maßnahmen an, damit sich derartige Übergriffe nicht wiederholen. "Ich rufe alle demokratischen Kräfte auf, zusammen zu entscheiden, dass der Staat und die Gesellschaft keine Taten mehr akzeptiert, die die Demokratie untergraben", sagte Justizminister Charalambos Athanasiou bei einer Pressekonferenz in Athen. Die Regierung werde mit den demokratischen Parteien Wege suchen, wie die Goldene Morgenröte als verbrecherische Organisation verboten werden könne.

Bei der griechischen Parlamentswahl im vergangenen Jahr hatten die Rechtsextremisten rund 7 Prozent der Stimmen und damit 18 von 300 Mandaten errungen. Derzeit rangieren sie in Umfragen auf dem dritten Platz. Der Partei, gegen deren Abgeordnete zum Teil wegen gewalttätiger Übergriffe ermittelt wird, werden brutale Attacken gegen Ausländer angelastet.

Wut über Mord verschärft Streik der Staatsbediensteten
Die Wut über den Mord an Fyssas vermengte sich am Mittwoch mit dem Widerstand gegen die rigide Sparpolitik der griechischen Regierung. Aus Protest gegen geplante Massenentlassungen traten die griechischen Staatsbediensteten in einen 48-stündigen Ausstand. Tausende legten die Arbeit nieder und zogen in Athen und Thessaloniki auf die Straße, auch um ihre Solidarität mit dem Getöteten und Ablehnung der Rechten zu demonstrieren (Bild 2). Der Generalstreik legte das Land teilweise lahm.

Nachdem zuvor vor allem Lehrer, Krankenhausärzte und Anwälte gestreikt hatten, wurden durch den von Gewerkschaften initiierten Gesamtstreik aller Bediensteten im Öffentlichen Dienst schon am Vormittag Arbeiten in den Ämtern nicht mehr erledigt. Der Eisenbahnverkehr wurde - insbesondere auf der Strecke vom Athener Flughafen in die Innenstadt - auf ein Minimum reduziert. Auch Gerichte und zahlreiche Museen blieben geschlossen. Auch die Journalisten schlossen für drei Stunden dem Streik an.

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