Mo, 20. November 2017

Aristokratin mit Job

14.07.2013 09:00

Prinzessin Mathilde: Sie wird Belgiens neue Königin

Mathilde – ein neuer Typ Königin: Aristokratin mit bürgerlichem Beruf, Glamourqueen und Frau von nebenan, vor allem aber wichtige Integrationsfigur für ihr Land. Die künftige Königin ist auch der wichtigste Imagefaktor des belgischen Hofes.

Bei einem Tennisspiel soll sie das Herz des künftigen belgischen Königs erobert haben. "Ich habe sie gesehen und gewusst: Das ist sie!", schwärmt der künftige König Philippe heute noch von dieser ersten Begegnung. Nun wird sie die neue belgische Königin: Mathilde, 40 Jahre alt, Mutter von vier Kindern und seit 14 Jahren die Wunderwaffe des belgischen Königshofes. Im Jahr 1996 fand das berühmte Tennisspiel statt, drei Jahre später die Hochzeit, und seitdem herrscht in Belgien die "Mathildemania".

Mit Mathilde zog der Glamour ins belgische Königshaus ein. Sie steht in einer Reihe mit den hübschen, glamourösen Thronfolger-Frauen und nächsten Königinnen Europas, die das Interesse der Öffentlichkeit an den Monarchien neu entfacht haben: Catherine von Großbritannien, Kronprinzessin Mary von Dänemark, Letizia von Spanien, Mette-Marit von Norwegen und natürlich Maxima der Niederlande (die freilich schon Königin ist).

Mathilde bereits vor Hochzeit aristokratisch
Was Mathilde aber von ihren Amtskolleginnen unterscheidet? Sie ist die einzige künftige Königin, die keinen bürgerlichen Hintergrund hat. Während es in ganz Europa bald nur mehr "bürgerliche" Königinnen geben wird, bleibt sie die Ausnahme. Denn die gebürtige Belgierin Mathilde ist eine geborene Gräfin d'Udekem d'Acoz und gehört damit zur belgischen Aristokratie. Aufgewachsen ist Mathilde auf Schloss Losange in Luxemburg – auch das ein Unterschied zu ihren königlichen Kolleginnen, die das Palastleben vor ihrer Heirat nicht kannten.

Doch es ist nicht nur der Glamour, der die gut aussehende und stets perfekt gestylte Mathilde so hervorhebt. Die künftige Königin ist auch der wichtigste Imagefaktor des belgischen Hofes. Während belgische Medien Kronprinz Philippe stets als zu schüchtern und linkisch kritisieren, geraten sie bei Mathilde regelmäßig ins Schwärmen. Die Souveränität, mit der sie öffentliche Auftritte absolvierte, ihre Offenheit und ihr Charme sicherten ihr stets die beste Berichterstattung.

Logopädie-Praxis in Brüssel
Beim Volk ist sie aber noch aus einem anderen Grund extrem beliebt: Trotz ihrer adeligen Herkunft hatte Mathilde bis zu ihrer Hochzeit einen bürgerlichen Lebenslauf vorzuweisen. Sie studierte Logopädie und eröffnete nach ihrer Ausbildung in Brüssel eine eigene Praxis. Mathilde hat einen angesehenen Beruf erlernt und war im Begriff, sich eine finanziell unabhängige Existenz aufzubauen. Hier heiratete kein reiches Partygirl in die königliche Familie ein, sondern eine ernsthafte junge Frau, die weiß, wie das Leben jenseits der Palastmauern funktioniert. Es ist dieser Teil ihrer Biografie, der die Belgier so für ihre künftige Königin einnimmt – nicht umsonst wird Mathilde regelmäßig zur beliebtesten Frau Belgiens gekürt.

Der "Mathilde-Effekt" wirkt seit der Hochzeit ungebrochen. Dazu gehört das bilderbuchhafte Familienleben. Die künftige Königin und der künftige König demonstrieren mit ihren vier Kindern – Elisabeth (11), Gabriel (9), Emmanuel (7) und Eleonore (5) – stets Familienglück pur. Ob Homestorys mit prachtvollen Fotostrecken in Hochglanzmagazinen oder öffentlichkeitswirksame Auftritte der Familie: Die erste Familie Belgiens stärkt die Marke der Monarchie.

Wird das private Glück des künftigen Königspaares infrage gestellt, schlägt man zurück. Als ein Journalist des belgischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens 2012 ein angebliches Enthüllungsbuch veröffentlichte, in dem er Thronfolger Prinz Philippe "eine intensive Beziehung außerhalb des Normalen" mit einem belgischen Grafen unterstellte und behauptete, die Ehe von Philippe und Mathilde sei arrangiert, die vier Kinder auf künstliche Befruchtungen zurückzuführen, reichte König Albert eine Beschwerde beim Presserat ein. Üblicherweise reagieren Königshöfe nicht auf angebliche Enthüllungsbücher, der Gang zum Presserat demonstrierte aber deutlich, dass hier eine Schmerzgrenze überschritten wurde.

Königspaar als Symbolfiguren
Dass das Königshaus derart offensiv reagiert, sobald an der Glaubwürdigkeit der königlichen Familie gekratzt wird, hat mit der eminent wichtigen Rolle des belgischen Monarchen zu tun. Denn Belgien driftet durch den Streit der Niederländisch sprechenden Flamen und französischsprachigen Wallonen auseinander.

Der König muss als Symbolfigur den zerrissenen Staat zusammenhalten. Im Unterschied zu anderen künftigen Monarchinnen hat die neue belgische Königin als Einzige nicht nur rein repräsentative Aufgaben vor sich: Der belgische König ist die Klammer, die das auseinanderdriftende Land zusammenhält – ihn dabei zu unterstützen wird Mathildes Hauptaufgabe werden.

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