Sa, 25. November 2017

Leiche im Wienerwald

13.03.2013 18:19

Bekannten getötet und zerstückelt: 18 Jahre Haft

All seinen Unschuldsbeteuerungen zum Trotz ist ein 62-Jähriger am Mittwochabend in Wien wegen Mordes an seinem Bekannten, nicht rechtskräftig, zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Der Beschuldigte Jozef E. hatte den 59-Jährigen 2012 mit einem Vorschlaghammer hinterrücks getötet und der Leiche danach in seinem Keller die Beine abgetrennt, um sie besser abtransportieren und in einem Waldstück nahe Gablitz in Niederösterreich ablegen zu können.

Laut Anklage soll die Bluttat von langer Hand geplant gewesen sein. Jozef E. habe den Pkw seines Bekannten in seinen Besitz bringen wollen und den Wagen nach der Ermordung tatsächlich nach Serbien geschafft, hatte Staatsanwalt Bernd Schneider in seinem Schlussplädoyer betont. Mit einer eigens angeschafften Plastikfolie habe er sein Kellerabteil ausgekleidet, um die Spuren bei der Leichenzerteilung rascher beseitigen zu können.

Beschuldigter: "Habe eine Kopfverletzung erlitten"
Der Angeklagte hatte vehement bestritten, Milenko M. am 30. März 2012 getötet zu haben. Er behauptete, zwei unbekannte Schwarzafrikaner, die ihn ebenfalls attackiert hätten, wären dafür verantwortlich (Bericht siehe Infobox). Man habe ihn mit einem Pistolenknauf im Kopf- und Gesichtsbereich traktiert. "Ich habe eine Kopfverletzung erlitten", insistierte der 62-Jährige. Man sehe die Narbe - eine hockerartige Erhöhung - heute noch.

Gerichtsmediziner Wolfgang Denk konnte die Verletzung allerdings nicht ausmachen, was zu einem längeren Hin und Her mit dem Angeklagten führte. Schließlich beendete Denk das Gespräch mit der Bemerkung: "Wenn keine Narbe da ist, tu ich mir schwer zu sagen, dass die Narbe verheilt ist."

Auch angebliche Rötungen am Kinn und an den Wangen, die Jozef E. den Hieben der Schwarzafrikaner zuschrieb, ließ der Gerichtsmediziner nicht gelten: Am Kinn könne er nichts feststellen, an den Wangen seien lediglich "anlagebedingte geplatzte Äderchen" erkennbar.

"Angeklagter weigert sich beharrlich, Wahrheit zu sagen"
Der Staatsanwalt betonte am Ende, das Beweisverfahren habe die Anklage "untermauert, auch wenn sich der Angeklagte beharrlich weigert, uns die Wahrheit zu sagen". Er verwies vor allem darauf, dass sich DNA-Spuren von Jozef E. auf den Seilen fanden, mit denen die Leiche verschnürt worden war.

Spaziergänger entdeckte Leiche im Wienerwald
Die sterblichen Überreste von Milenko M. waren wenige Tage nach seinem Verschwinden von einem Spaziergänger in Wienerwald entdeckt worden. Jozef E. hatte sich zu diesem Zeitpunkt mit dem Pkw und dem Zulassungsschein des Opfers nach Serbien abgesetzt, wo er das Auto verkaufen wollte. Zuvor hatte er laut Anklage das Nummernschild durch ein gestohlenes Kennzeichen ersetzt.

Jozef E. meldete gegen das Urteil Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. Dem Staatsanwalt ist das Strafausmaß zu milde - er legte Strafberufung ein.

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