Sa, 25. November 2017

ELGA-Einführung

08.10.2012 18:24

Ärztekammer spricht lediglich von einem „Teilerfolg“

Die am Montag von Gesundheitsminister Alois Stöger (Bild rechts) und ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger (Bild links) präsentierte Elektronische Gesundheitsakte (kurz: ELGA) hat auch von der Wiener Ärztekammer, die bisher als ihre größte Kritikerin aufgetreten war, teilweise Applaus geerntet. Einige wesentliche Punkte konnten entschärft beziehungsweise nachgebessert werden, befand Präsident Thomas Szekeres am Montag in einer Aussendung. Aber zahlreiche Details werden weiterhin kritisch beäugt.

So sehen die Ärztevertreter die Kosten weiterhin als Problem. Daher werde die Wiener Ärztekammer ihr "vehementes Eintreten" gegen unnötige Geldverschwendung im Gesundheitswesen für EDV-Projekte konsequent weiterführen, kündigte Szekeres an. Nach wie vor kritisiert wird auch die "fehlende Freiwilligkeit" für Patienten: "Wir hätten uns gewünscht, dass Patienten nicht extra hinausoptieren müssen, sondern dass der umgekehrte Weg gegangen wird."

"Opt-out-Variante nicht verfassungskonform"
Szekeres zeigte sich aber zuversichtlich, dass diese Regelung nicht halten wird. "Namhafte Juristen haben uns schon bestätigt, dass die vom Ministerium nun durchgesetzte Opt-out-Variante nicht verfassungskonform ist." Als Erfolg wertete er die Freiwilligkeit für Ärzte. Diese hätten nunmehr das Recht, ELGA zu benutzen, nicht aber die Verpflichtung dazu - abgesehen von einigen Pflicht-Daten, die zu speichern seien. Zufrieden zeigte er sich auch über verschärfte Datenschutz-Vorgaben.

Artur Wechselberger, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, wollte vor einer detaillierteren Bewertung des Entwurfes diesen genauer studieren. Wechselberger merkte aber an: "Schlechtes ist wohl besser geworden, aber immer noch nicht gut genug."

Reduktion von Doppeluntersuchungen
"Ich bin sehr zufrieden", freute sich auch die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse, Ingrid Reischl. Ein Vorteil von ELGA sei, dass die Patienten durch die Reduktion von Doppeluntersuchungen weniger belastet würden, erklärte sie in einer Aussendung: "Dadurch müssen die Versicherten weniger Zeit bei dem Arzt verbringen und haben damit auch geringere Wegzeiten als bisher." Unerwünschte Wechselwirkungen von Medikamenten könnten dadurch ebenfalls vermieden werden.

Bundesweite Umsetzung bereits 2014 möglich
Freude über die Einigung verbreitete auch der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Mit dem ELGA-Gesetz schaffe man die notwendigen Grundlagen für eine österreichweite Umsetzung der elektronisch durchgeführten Medikation (E-Medikation), hieß es in einer Pressemitteilung. Sollte das Gesetz noch heuer im Parlament beschlossen werden, wäre es möglich, die österreichweite Umsetzung 2014 zu realisieren, gab man sich hoffnungsvoll.

Apothekerkammer: Medikamentensicherheit verbessert
Die österreichische Apothekerkammer zeigte sich über die "richtungsweisende Einigung" zwischen SPÖ und ÖVP erfreut. Die elektronisch durchgeführte Medikation werde einen wichtigen Beitrag zu mehr Medikamentensicherheit leisten, hofft Präsident Max Wellan, der seine Forderungen im Gesetz weitgehend berücksichtigt sieht.

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