Fr, 20. April 2018

Wien-Reise zu Ende

27.05.2012 14:39

"Nasenbussi" vom Dalai Lama für Kardinal Schönborn

Der Dalai Lama ist am letzten Tag seines Österreich-Besuches am Sonntagvormittag mit Kardinal Christoph Schönborn zusammengetroffen. Bei einer Pressekonferenz waren die beiden bemüht, Einigkeit und Freundschaft zu demonstrieren. Zum Abschied gab es für den Kardinal sogar ein "Nasenbussi" vom Friedensnobelpreisträger. Unterdessen reagierte das Außenministerium in Wien gelassen auf die Kritik aus China am Besuch des Dalai Lama.

Kardinal Schönborn und der Dalai Lama erläuterten in ihrem Gespräch die Gemeinsamkeiten ihrer Religionen. Alle Religionen hätten die gleiche Botschaft und würden trotz der Unterschiede das gleiche Ziel verfolgen: "Mehr Mitgefühl, Liebe und Toleranz zu ermöglichen", sagte das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten. Er selbst trete deshalb vor allem während seiner Auslandsreisen für die "Stärkung der religiösen Harmonie" ein. Als positives Beispiel nannte er das großteils friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen religiösen Strömungen in seiner Exil-Heimat Indien.

Auch Schönborn erklärte, der Dalai Lama und er hätten über die Ähnlichkeit ihrer "monastischen Tradition" gesprochen. Um Brücken zwischen den Kulturen und Religionen zu schlagen, müsste "jeder Einzelne sein Herz umkehren". Die negativen Emotionen müssten überwunden werden, ergänzte das Oberhaupt der Tibeter. Daraus könne "echte Harmonie" entstehen, die in Zeiten der Globalisierung besonders wichtig sei.

Ministerium sieht China-Kritik gelassen
Unterdessen hat das Wiener Außenministerium auf die Kritik Chinas am Besuch des Dalai Lama in Wien und seinen Treffen mit Bundeskanzler Werner Faymann und Außenminister Michael Spindelegger mit Gelassenheit reagiert. "Das war zu erwarten", hieß es am Sonntag. Es handle sich aber um den Besuch eines Religionsführers, womit es keine Widersprüche zur österreichischen Diplomatie gegenüber China gebe. Österreichs Ein-China-Politik sei weiter aufrecht.

Das Außenamt habe den chinesischen Botschafter außerdem im Voraus über den Besuch des Oberhauptes der tibetischen Buddhisten informiert, hieß es. Spindelegger war am Freitag mit dem Dalai Lama zusammengetroffen, Faymann am Samstag im Rahmen eines Frühstücks (siehe Infobox).

"Einmischung in innere Angelegenheiten"
Am Samstagnachmittag hatte es deswegen einen offiziellen Protest aus Peking gegeben. In einer schriftlichen Stellungnahme des chinesischen Außenministeriums wurden die Treffen "als schwere Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas" bezeichnet.

Durch die Vorgangsweise würden die "Gefühle des chinesischen Volkes verletzt", hieß es in einer Aussendung, zudem würde "den Kräften der Unabhängigkeit von Tibet" ein falsches Signal gegeben. Weiters hieß es in dem Schreiben: Der Dalai Lama sei ein Politiker im Exil, "der seit langer Zeit unter dem Deckmantel der Religion antichinesische und separatistische Aktivitäten betreibt."

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