Mo, 18. Dezember 2017

Polizei-Aktion

24.01.2012 19:23

Handy abgehört: Schettino gab vor Freunden alles zu

Jetzt bricht das Lügengebäude des "feigen Kommandanten" Francesco Schettino wohl endgültig zusammen. Abhörprotokolle vom Tag nach der Katastrophe belegen, dass er sehr wohl von der "Costa Concordia" flüchtete und auch genau wusste, was er da tut. "Als ich begriffen habe, dass sich das Schiff neigt, bin ich von Bord gegangen", sagte der Kapitän laut Polizei in einem Telefonat mit einem Freund. Auch den vermuteten Navigationsfehler gab Schettino zu.

Offenbar ahnte der Kapitän nicht, dass sein Telefon von der Polizei abgehört wurde. Italienische Medien veröffentlichten die Protokolle am Dienstag. Bisher hatte der Kapitän stets behauptet, er sei zufällig in eines der Rettungsboote gefallen und habe es nicht mehr geschafft, aus dem Boot an Bord zurückzukehren (siehe Infobox). Deswegen habe er von einem Felsen aus dann die Evakuierungsaktion koordiniert.

In einem weiteren abgehörten Telefongespräch gab Schettino auch den vermuteten Navigationsfehler zu: "Ich hätte nicht so nah an die Insel fahren sollen." Doch gab er im Telefonat zu verstehen, dass "ein Manager" Druck auf ihn gemacht habe, damit er das Manöver namens "Die Verneigung" vollziehe, bei dem das Schiff in voller Beleuchtung und mit Schiffsirenen die Küstenbewohner grüßt. Wer dieser Manager sein soll, ist aber noch unklar.

Auf den Seekarten sei der Fels, gegen den das Schiff geprallt sei, nicht eingetragen gewesen, sagte Schettino. Nach der Havarie habe er alles Notwendige unternommen, um weitere Schäden zu vermeiden und Menschenleben zu retten.

Frau des Kapitäns beklagt "Hetzjagd"
Vor Bekanntwerden der Protokolle hatte Schettinos Ehefrau ihren Mann am Dienstag noch verteidigt und eine "Hetzjagd" beklagt. "Ich kann mich an keine Luftfahrt- oder Schiffskatastrophe erinnern, bei der der Verantwortliche mit solch einer Wucht angegriffen worden wäre", sagte Fabiola Russo dem französischen Magazin "Paris Match". "Man sucht einen Schuldigen, einen Sündenbock, ein Monster."

Der Kapitän steht wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, des Schiffbruchs und des Verlassens der "Costa Concordia" vor Ende der Evakuierungsaktion unter Hausarrest in seinem Heimatort Meta di Sorrento südlich von Neapel. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.

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