Di, 17. Oktober 2017

Prozess in Salzburg

01.12.2011 16:48

13 Autos zerkratzt: 82-Jährige fasst 4 Monate bedingt aus

Warum zerkratzt eine 82-jährige Pensionistin, die bisher noch keine einzige Straftat begangen hat, in ihrem Wohnort im Pinzgau 13 Autos? "Ich weiß nicht", sagte die Frau mit leiser, zittriger Stimme am Donnerstag zur Strafrichterin am Salzburger Landesgericht. Ein Konflikt mit ihrem Mann könnte sie zu der Tat bewogen haben, doch das genaue Motiv blieb auch am Ende des Prozesses unklar. Das Urteil von vier Monaten Haft auf Bewährung nahmen sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger an.

Die zierliche, offensichtlich schwerhörige Angeklagte, die wie die nette Oma von nebenan aussieht, schien die Verhandlung zumindest akustisch nicht gänzlich mitverfolgen zu können – nach Fragen von Richterin Sabine Berger blickte sie immer wieder hilfesuchend zu ihrem Verteidiger Klaus Weber.

Pro Auto ist ein Schaden von rund 2.000 Euro entstanden, rund 7.500 Euro wurden zwar anerkannt, aber als "uneinbringlich" erklärt: Die Pensionistin verfügt über ein monatliches Einkommen von 103 Euro aus einer Versehrtenrente und ist offenbar vermögenslos.

"Am Ende war der Zusammenbruch"
Für den Verteidiger ist die Frau allein schon dadurch genug bestraft, dass sie ihr Zuhause verloren hat. Nach der schweren Sachbeschädigung und der "Sachentziehung" von zwölf leeren Benzinkanistern, die sie in einen Graben geworfen hatte, habe ihr Ehemann so viel Druck ausgeübt, dass sie auszog. "Er hat sich gegen ihren weiteren Verbleib in der Wohnung ausgesprochen. Das ganze Leben lang hat sie brav abgedient, am Ende war der Zusammenbruch", so der Anwalt.

Im Tatzeitraum 2009 bis 2011 sei die Frau unter dem Einfluss einer abnormen Geisteshaltung gestanden. Die Richterin wertete den emotionalen Ausnahmezustand, das Geständnis und die Unbescholtenheit der Beschuldigten denn auch als Milderungsgrund. Die Pinzgauerin wird derzeit psychiatrisch betreut.

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