Fr, 25. Mai 2018

Lachend rätseln

12.09.2011 08:04

Wunderbar fies und schräg: "Harveys Neue Augen"

"Edna bricht aus" war im Jahr 2008 ein Überraschungshit - nun kehren die Protagonisten in "Harveys Neue Augen" zurück. Neue Hauptfigur ist die blonde Lilli, die mit Edna ein zur Schule umgewandeltes Kloster unsicher macht. Dabei hinterlässt Lilli eine wahre Spur der Verwüstung - Fans von Point&Click-Adventures und tiefschwarzem Humor kommen hier voll auf ihre Kosten!

Lilli, das "bravste Mädchen der Welt", hat es nicht leicht: Die Mutter Oberin drangsaliert sie den ganzen Tag mit langweiligen Aufgaben und auch ihre Mitschüler hacken auf dem kleinen Mädchen herum. Ihre Wut frisst Lilli in sich hinein, auch wenn im Verlauf der Geschichte gar viele "Unfälle" passieren. Doch es gibt auch Positives: Lilli hat in Edna ihre beste Freundin gefunden.

Das Leben der Schüler wird auf den Kopf gestellt, als die kinderhassende Schulleiterin ankündigt, einen Experten für Zucht und Ordnung engagiert zu haben: Dr. Marcel, vor dem Edna im Vorgänger-Spiel flüchtete. Er hat auch den aus dem Vorgängerspiel bekannten blauen Plüschhasen Harvey dabei, dem er allerdings neue Augen verpasst hat - was das bedeutet, bekommt Lilli schon bald am eigenen Leib zu spüren. Nun gilt es, Freundin Edna vor dem auf Geisteskrankheiten spezialisierten Professor zu retten.

Viele Gespräche und Inventarrätsel
Dabei muss Lilli adventuretypisch verschiedenste Aufgaben erledigen, meist mit Hilfe von Inventargegenständen. Diese findet der Spieler auf Wunsch mit Hilfe der Hotspot-Anzeige. Um die Inventarrätsel zu lösen ist es nötig, den zahlreichen Gesprächen aufmerksam zu folgen, denn meist verbirgt sich darin der Hinweis, wie es weitergeht. Dennoch ist es manchmal schwierig, weiterzukommen, da Lilli zwar oft mehrere Missionen gleichzeitig hat, diese sich aber nur in einer bestimmten Reihenfolge abarbeiten lassen. Locations mehrmals abzuklappern und zahlreiche Versuche, Gegenstände im Inventar zu kombinieren oder an andere weiterzugeben, sind in "Harveys Neue Augen" daher Standard. Dennoch sind die Rätselketten witzig und zwar oft abgedreht, aber meist logisch.

Abwechslung durch Minispiele
Aufgelockert werden diese Kombinationsrätsel durch einige Minispiele, die gut in die Geschichte eingewoben sind. Wer damit aber nicht zurechtkommt, kann sie lobenswerterweise auch einfach überspringen. Lilli muss zum Beispiel durch das Ausschlussverfahren Gegenstände richig anordnen, um die Erinnerung eines alten Pfadfinders aufzufrischen. Mit seiner Hilfe gelingt dann die Suche nach einem Schatz der Tempelritter - mehr oder weniger zumindest, denn der Schatzjäger wird von einem umstürzenden Kreuz zermalmt. Wie ihn ereilt sehr viele Menschen rund um Lilli ein plötzlicher Tod, was der wunderbare Erzähler mit scheinbar harmlosen, in Wahrheit aber tiefschwarz-humorigen Aussagen unterlegt.

Herrlich bitterböser Humor
So siedelt Lilli etwa Termiten um, legt die Honigspur aber dummerweise zu einem Mitschüler, dessen letzte Worte "Waaah, geht weg!" aus der Ferne zu hören sind. Der Wind trage merkwürdige Geräusche heran, so der Erzähler lakonisch - aber Lilli denke, es seien "wahrscheinlich die Termiten, die sich über ihr neues Zuhause freuen". Sein abgenagtes Skelett wird wie auch die Überreste ihrer zahlreichen anderen Opfer von Zensurgnomen mit fröhlicher rosa Farbe übermalt. Immer wieder lassen die Kommentare des Erzählers dazu hellauf lachen, wer auf schwarzen Humor steht, ist bei "Harveys Neue Augen" goldrichtig.

Hypnose austricksen als weiteres Element
Eine weitere Spielebene kommt hinzu, nachdem Lilli Opfer einer fragwürdigen Hypnose wurde. Innere Blockaden hindern sie nun daran, von den Erwachsenen unerwünschte Tätigkeiten auszuführen. Versucht sie, sich über die Verbote - mit Feuer spielen, Erwachsenen widersprechen, Alkohol trinken usw. - hinwegzusetzen, erscheint Hase Harvey vor ihrem inneren Auge und hindert sie an ihrer Tätigkeit. Um diese Blockaden nach und nach loszuwerden, muss Lilli sich selbst hypnotisieren und in einer Traumwelt gegen jedes einzelne Verbot ankämpfen. So entzündet sie etwa den Zylinder eines Harvey-Schneemanns, der dadurch zu schmelzen droht - indem sie den brennenden Hut abnimmt, beweist sie sich, dass es doch sinnvoll sein kann, mit Feuer zu spielen. Diese Einlagen sind zwar allesamt witzig, aber leider auch zu kurz und zu einfach geraten.

Sound und Grafik überzeugen
Grafik und Soundkulisse hingegen überzeugen. Die liebevoll handgezeichneten Hintergründe sind in Full HD aufgelöst, orchestrale Musik ertönt. Dazu kommen die wunderbaren Sprecher, allen voran Erzähler Götz Otto. Sie verleihen den herrlich fiesen Texten noch mehr Witz und Schwung. Ebenfalls sehr schön: Statt nervigen technischen Kopierschutzes ist dem Spiel eine Codescheibe beigelegt, wie man sie aus Adventures vergangener Tage kennt.

Fazit: Gelungene Rätsel, herrlich tiefschwarzer Humor, tolle Sprecher und genügend Abwechslung - "Harveys Neue Augen" ist ein mehr als würdiger Nachfolger rund um Edna und den titelgebenden Plüschhasen. Lediglich etwas komplexere Rätsel zur Auflösung der mentalen Blockaden und kleine Hilfestellungen, wenn es scheinbar nicht weitergeht - was immer wieder vorkommt -, hätten aus dem sehr guten Titel einen hervorragenden gemacht.

Plattform: PC
Publisher: Daedalic
krone.at-Wertung: 9/10

Passend zum Test gibt es einen Plüsch-Harvey zu gewinnen: Wenn du das kultige Häschen dein Eigen nennen möchtest, schreib bis 19. September eine E-Mail an gewinnspiel@krone.at.

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