Mo, 21. Mai 2018

9/11-"Verschwörung"

06.09.2011 16:29

Wilde Theorien blühen nicht nur bei USA-Gegnern

Die USA hätten die Angriffe auf das World Trade Center in New York inszeniert, um das "zionistische Regime" - gemeint ist Israel - zu retten und den Verfall der amerikanischen Wirtschaft zu stoppen. Mit dieser Aussage hatte der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad (Bild) 2010 für einen Eklat in der UNO-Vollversammlung gesorgt. Er ist nicht der einzige Staatsmann, der sich unter die Anhänger von Verschwörungstheorien zum 11. September reiht.

Auch andere Gegner der USA wie Kubas Revolutionsführer Fidel Castro oder der venezolanische Präsident Hugo Chavez äußerten öffentlich Zweifel, ob nicht "das amerikanische Imperium" die Anschläge "inszeniert" und dem Terrornetzwerk Al-Kaida in die Schuhe geschoben hat, um die späteren Kriege in Afghanistan und im Irak zu rechtfertigen.

Auch amerikanischer UNO-Gesandter im Visier
Aber selbst in amerikanischen Reihen sind in den vergangenen zehn Jahren Verschwörungstheorien zu 9/11 entstanden. So forderten die USA erst im Jänner 2011 die Entlassung ihres eigenen Mannes als UNO-Sondergesandter für die palästinensischen Autonomiegebiete: Richard Falk habe in seinem Internetblog geschrieben, dass die Anschläge vom 11. September von der US-Regierung eingefädelt, ausgeführt und später verschleiert worden seien.

Jus-Professor Falk, der das Vorwort zum Buch "The New Pearl Harbor: Disturbing Questions About the Bush Administration and 9/11" des Amerikaners David Ray Griffin geschrieben hatte, bestritt das und ist bis heute auf seinem Posten.

Kongress der Verschwörungstheoretiker in Brüssel
Das Beispiel Griffin zeigt, dass die Verschwörungstheorien zum 11. September weit über politische Statements hinausgehen. Sein Buch ist nicht das einzige, das sich mit Ungereimtheiten, offenen Fragen und Zweifeln befasst. Im November 2005, als der von den USA ausgerufene "Krieg gegen den Terror" mitten im Gang war, trafen sich die Verschwörungstheoretiker sogar zu einem Kongress in Brüssel. In der Abschlusserklärung war von einer "Militärkoalition" die Rede, die sich in die "grenzenlose Ausbeutung der weltweiten Energieressourcen" gestürzt habe.

"Um ihren Eroberungsdurst zu stillen, bilden sie Terrorgruppen mit dem Ziel, sie zu manipulieren, erfinden sie Vorwände für Militäreinsätze, verbreiten sie Theorien einer internationalen Muslim-Verschwörung und schüren Konflikte zwischen Kulturen", hieß es in der Erklärung.

Internetforen sind ohnehin voll mit Diskussionen über eine 9/11-Verschwörung. Eine 2008 durchgeführte WorldPublicOpinion-Umfrage mit mehr als 16.000 Teilnehmern zeigte, dass nur in 9 von 17 Ländern eine Mehrheit davon überzeugt war, dass die Al-Kaida die Anschläge verübte. Vor allem im Nahen Osten machten viele Befragte die USA oder Israel für die Anschläge verantwortlich.

Internetfilm als Aushängeschild
Die wichtigsten Verschwörungstheorien greift der Film "Zeitgeist: The Movie" (2007) von Regisseur Peter Joseph auf. Der Streifen genießt im Internet mittlerweile eine Art Kultstatus. Joseph konstatiert, dass die Anschläge auf das World Trade Center ein "Inside Job" gewesen seien, also von der Regierung geplant und inszeniert wurden. Gründe liefert der Filmemacher viele: Um Angst in der Bevölkerung zu schüren, um die Gesellschaft durch ein kollektives Feindbild "zusammenzuhalten" oder um umfassendere Anti-Terror-Gesetze einführen und somit die Bürgerrechte einzuschränken zu können.

Der wichtigste Grund für den "Inside Job" scheint Joseph zufolge aber die Rechtfertigung des Einmarsches in Afghanistan im Herbst 2001 sowie des Irak-Krieges im Frühjahr 2003 zu sein. Zur Untermauerung seiner These beleuchtet Joseph, der seinen vollen Namen geheim hält, verschiedene Aspekte der Geschehnisse zu 9/11 und lässt dabei Beteiligte und Experten zu Wort kommen. "Amerika ist ein weiteres Mal verarscht worden", bringt er seine Aussagen auf den Punkt.

Art der Turm-Einstürze "kann kein Zufall sein"
Sowohl Fernsehstationen als auch Augenzeugen berichteten bei dem Einsturz der beiden Türme des New Yorker World Trade Center von Explosionen, ähnlich wie bei kontrollierten Gebäudesprengungen. Ein Kommentar des Senders CNN lautete damals: "So wie dieses Gebäude zusammenfällt, das ist das Resultat von etwas Geplantem. Es kann kein Zufall sein, dass das erste Gebäude einfach so einstürzt und dann das zweite Gebäude einfach so einstürzt - in der exakt gleichen Art und Weise." Laut Joseph hätten bei einem "normalen" Einsturz die massiven Pfeiler des Gebäudes stehen bleiben müssen.

Zudem war auch das Gebäude 7 des World Trade Centers eingestürzt - ein in der Berichterstattung wenig beachtetes Faktum. Offiziell lautete die Begründung für diesen Einsturz "Feuer". Joseph legt jedoch auch hier eine geplante Sprengung nahe und beruft sich auf damals anwesende Angestellte, die von "Explosionen im Keller" berichten. Ein in "Zeitgeist" befragter Universitätsprofessor berichtet von am Ground Zero gefundenen Spuren von Thermit, einem Gemisch, das in der Abriss-Industrie Verwendung findet. Das zum US-Handelsministerium gehörende National Institute of Standards and Technology bestreitet aber jegliche Explosionen.

Weitere Flugzeugabstürze "nie passiert"
Dass die beiden weiteren Flugzeugabstürze - beim Pentagon in Washington sowie in dem kleinen Ort Shanksville (United-Airlines-Flug 93) - überhaupt stattfanden, bezweifelt Joseph generell. Fotos des Absturzes von Shanksville würden nicht jenen anderer Flugzeugcrashes gleichen und beim Pentagon seien keine bzw. nur kleine Wrackteile gefunden worden, die "Regierungsagenten sofort einsammelten".

Als einen der "Nutznießer" der Anschläge vom 11. September 2001 sieht Peter Joseph den damaligen Präsidenten George W. Bush. Er habe unter anderem von den (durch die Kriege) gestiegenen Rüstungsausgaben profitiert, weil er intensive Kontakte dorthin pflege. Ähnlich wie beispielsweise der Regisseur Michael Moore wirft Joseph dem Ex-Präsidenten außerdem vor, mehr oder weniger enge Beziehungen zu Osama bin Laden unterhalten zu haben. Bush soll Bin Ladens Halbbruder Shafig sogar am Tag der Geschehnisse getroffen haben.

"Gefälschtes Geständnis"
Verbindungen der 19 verdächtigten 9/11-Flugzeugattentäter zu dem Anfang Mai getöteten Osama bin Laden hätten nie nachgewiesen werden können, so Joseph. Sechs der mutmaßlichen Selbstmordattentäter seien in Wirklichkeit noch immer am Leben. Zudem sei "das wichtigste Beweismittel", ein Geständnis Bin Ladens per Videobotschaft, dem Regisseur zufolge gefälscht. "Der Mann im Video hat dunklere Haut, vollere Wangen und eine breitere Nase als der Osama bin Laden aller anderen Videos."

Joseph thematisiert in "Zeitgeist: The Movie" neben 9/11 auch Verschwörungstheorien rund um das Christentum sowie Verbindungen zwischen der Finanzwelt und der Kriegs- bzw. Waffenwirtschaft. Es folgten die Filme "Zeitgeist: Addendum" (2008) und "Zeitgeist: Moving Forward" (2011). Im Jahr 2009 gründete der US-Amerikaner das "Zeitgeist Movement".

"Zeitgeist"-Film 100 Millionen Mal im Netz gesehen
"Zeitgeist: The Movie" wurde im Juni 2007 über Google sowie auf DVD veröffentlicht und ist mittlerweile fester Bestandteil diverser Videoplattformen, Foren und Blogs. Über 100 Millionen Internetuser sollen die Dokumentation bisher gesehen haben.

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