Sa, 17. Februar 2018

Schwere Vorwürfe

16.04.2011 08:43

Human Rights Watch: Gadafi setzt Streubomben ein

Schwere Vorwürfe gegen Libyens Machthabers Muammar al-Gadafi: Laut Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch setzen seine Truppen auch Streubomben gegen die Bevölkerung in der heftig umkämpften Stadt Misrata ein. Soldaten hätten in der Nacht zum Freitag in mindestens drei Fällen Streumunition in Wohngebieten Misratas eingesetzt, berichtete die Organisation. Tripolis bestreitet den Einsatz der international weitgehend geächteten Munition.

Zuvor hatten bereits Rebellen in Misrata Gadafis Truppen den Einsatz von Streubomben vorgeworfen. "In der vergangenen Nacht war es wie Regen", beschrieb ein Aufständischer am Freitag die Folgen von Explosionen über der Stadt. Auch ein Reporterteam der renommierten US-Tageszeitung "New York Times" berichtete über Bomben, die am Himmel explodierten und kleine Sprengsätze über der Stadt verteilten. Die Bomben sollen demnach im Jahr 2007 in Spanien produziert worden sein, ein Jahr bevor Madrid die Streubomben-Konvention, die 2010 in Kraft trat, unterzeichnete.

Der Waffenexperte von Human Rights Watch, Steve Goose, sagte, der Einsatz von Streumunition sei schockierend. "Sie bedeutet eine riesige Gefahr für die Zivilbevölkerung. Während ihres Einsatzes, weil sie vollkommen ungerichtet wirkt, und danach, weil nicht-explodierte Teile weitflächig verstreut werden."

Munitionsart ist weltweit geächtet
Streubomben öffnen sich nach dem Abfeuern und geben eine Vielzahl weiterer kleinerer Geschosse frei. Viele dieser Sprengsätze explodieren nicht und sind auch noch nach Jahren eine Gefahr. Der Gebrauch dieser Munitionsart ist deshalb weltweit geächtet.

Misrata wird seit mehr als sechs Wochen von Regierungstruppen belagert. Die drittgrößte Stadt des Landes ist die letzte verbliebene Rebellenhochburg im Westen Libyens. Die meisten Staaten haben eine Konvention zur Ächtung von Streumunition unterzeichnet. Libyen zählt nicht dazu.

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