Do, 19. Oktober 2017

"Wie Lego spielen"

14.03.2011 11:05

Bauernhaus wird Balken für Balken abgetragen

Es knarrt im Gebälk des 300 Jahre alten Hellbauernhauses in Mittergöming. Die kulturhistorische Perle wird Stück für Stück abgetragen, mit schwerem Gerät, aber vorsichtig. Einen Kilometer weiter wird es neben dem Gemeindezentrum Göming wieder aufgebaut. Die "Krone" schaute den Zimmermännern auf die Finger.

Vorsichtig manövriert Andreas Windberger aus Anthering den langen Kranarm in Richtung Dachstuhl des Hellbauernhauses in Göming. Dort erwarten ihn schon die fleißigen Hände von Thomas und Ernst, die das nächste Stück für den Abtransport fertig machen. Das alte Haus steht schon ohne Dach da, jetzt sind die Seiten- und Zwischenwände dran. "Balken für Balken heben wir herunter. Der Balkon ist nicht mehr zu retten, den machen wir neu. Aber sonst wird das Holz wieder verwendet", erklärt Matthias, der Sohn von Zimmerer Helmut Baumann.

Balken noch mit Moos isoliert
Die Bauweise erinnert an alte, wenn auch zugige Zeiten. "Die Abstände zwischen den Balken wurden noch mit Moos isoliert", erklärt Matthias und sein Kollege Ernst Maier zeigt auf eine Besonderheit der Bauweise: "Die Häuslbauer kamen fast ohne Eisenklammern aus. Die waren teuer, also hat man die Balken mit Holzstiften, meisten aus Fichtenästen verbunden. Ganz schön schlau." Und tatsächlich, die Stifte sind selbst nach 300 Jahren gesund, nicht einmal ein bisschen angegriffen.

Für die meisten Mitarbeiter der Zimmerei Baumann in St. Georgen ist das Abtragen eines alten Hauses neu. "Meistens bauen wir ja was. Aber das kommt ohnehin noch dran, wenn wir das Haus neben dem neuen Gemeindezentrum wieder aufstellen", erklärt Matthias, während er den nächsten Holzbalken löst.

Gerhard Renninger sortiert und nummeriert die Teile am Boden noch einmal. "GVL, das steht für Giebel vorne links. So kennen wir uns beim Aufbau aus, was wohin gehört." Das ganze Haus ist durchnummeriert, gleich neben der Tür ist Teil Nummer EGV VI, also Erdgeschoss vorne.

Bei der Arbeit gibt es eine Beobachterin, die die Geschichte dieses Hauses genau kennt. Altbäuerin Maria Stand schaut oft vorbei, wie es voran geht.

Haus wird neuer Ortsmittelpunkt
Bürgermeister Werner Fritz hat einen Zeitplan vorgegeben. "Ende Oktober soll es Teil eines neuen Kulturzentrums sein." Das ehrwürdige Haus, das viele Geschichten aus dem Flachgau erzählen könnte, wird über den Sommer saniert, adaptiert und erweitert. Die alten und neuen Elemente werden zusammen einen neuen Ortsmittelpunkt ergeben. "Wir haben seit 30 Jahren kein Gasthaus mehr. Auch das wird im Erdgeschoss zu finden sein, plus Museen und Veranstaltungsräume", versichert der Bürgermeister.

Bis dahin sind noch viele Handgriffe nötig, doch Zimmerergeselle Matthias sieht es mit Humor: "Es ist ein bisschen wie Lego spielen."

von Melanie Hutter, Kronen Zeitung
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