Mo, 18. Dezember 2017

Nach Dammbruch

08.08.2010 13:05

Hochwasser in Osteuropa fordert neun Todesopfer

Acht Jahre nach dem verheerenden Hochwasser von 2002 ist das deutsche Bundesland Sachsen am Wochenende erneut von einer Flutkatastrophe heimgesucht worden. Nach schweren Regenfällen mit Rekordmengen von bis zu 160 Liter pro Quadratmeter und dem Bruch einer Staumauer in Polen überschwemmten die Wassermassen der Neiße und anderer Flüsse Straßen und ganze Ortschaften. Mehr als 1.400 Menschen wurden evakuiert, insgesamt starben im Dreiländereck Deutschland/Polen/Tschechien mindestens neun Menschen.

Kritisch war die Lage im Landkreis Görlitz, aber auch im Raum Zittau und Weißwasser sowie rund um Chemnitz. Der Pegel der Neiße in Görlitz lag am Sonntagvormittag bei 7,07 Metern - normal ist zu dieser Jahreszeit ein Stand von 1,70 Metern.

Für die Spree in der Lausitz galt die höchste Hochwasserwarnstufe 4. Im Bereich der Elbzuflüsse sei es neben Hochwasser auch zu Erdrutschen gekommen.

Weitere Schauer im Anmarsch
Entwarnung konnte auch am Sonntag noch nicht gegeben werden. Aktuell entspanne sich die Lage zwar vorübergehend, nachdem der Dauerregen nach Nordosten abgezogen sei, erklärte der Deutsche Wetterdienst. Von Westen ziehe aber schon wieder ein neuer Tiefausläufer mit weiteren Schauern und Gewittern heran.

Hochwasser wurde auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt erwartet, wenn auch nicht mit so dramatischen Auswirkungen wie in Sachsen. Aber auch in Bayern sorgten die Regenmassen für Probleme. Der Dauerregen brachte sogar den Starnberger See zum Überlaufen, wie Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst berichtete.

Hochwasser forderte bereits neun Menschenleben
Insgesamt kamen im Dreiländereck Deutschland/Polen/Tschechien bisher mindestens neun Menschen ums Leben. Im sächsischen Neukirchen wurden am Samstag beim Auspumpen eines Kellers die Leichen von zwei Männern und einer Frau im Alter zwischen 63 und 74 Jahren gefunden. Wie die Polizei in Chemnitz mitteilte, hatten sie offenbar versucht, ihr dort befindliches Hab und Gut vor den eindringenden Wassermassen zu retten, und waren dabei ertrunken.

In Tschechien ertranken ebenfalls mindestens drei Menschen, teilten die Behörden mit. Drei Menschen werden zunächst noch vermisst, darunter ein Mann, der vor den Augen anderer in einen reißenden Fluss stürzte.

In Polen sprach Innenminister Jerzy Miller am Sonntag von drei Todesopfern durch die Flut. Medienangaben zufolge handelt es sich um zwei Frauen und einen Feuerwehrmann, der bei der Sicherung eines Deiches vom Wasser mitgerissen wurde. Ein Regionalpolitiker und sein Fahrer überlebten, weil sie sich neun Stunden an umtoste Bäume klammerten. Ihr Wagen war von der Hochwasserwelle nach dem Dammbruch erfasst worden.

"Schlimmstes Hochwasser seit über 100 Jahren"
Im Landkreis Görlitz herrschte seit Samstagnachmittag Katastrophenalarm, später kamen Teile der Sächsischen Schweiz hinzu. Laut Innenministeriumssprecher Frank Wend handelt es sich um das schlimmste Hochwasser seit über 100 Jahren in der betroffenen Region. 

Mehrere Orte und Ortsteile wurden wegen Überschwemmungen der Neiße und Mandau evakuiert. In Zittau wurde ein Wohngebiet überschwemmt, sodass die Menschen dort eingeschlossen waren. Zudem musste der Zugverkehr teilweise eingestellt und die Autobahn 72 vorübergehend gesperrt werden.

Zusätzliche Wassermassen nach Dammbruch in Polen
Erheblich verschärft hatte sich die Lage nach dem Bruch einer Staumauer am polnischen Fluss Witka bei Radmeritz in der Nähe der deutschen Grenze, wodurch zusätzliche Wassermassen in das ohnehin schon von Hochwasser betroffene Gebiet strömten.

"Die Feuerwehr, die Polizeikräfte tun das, was in ihren Kräften steht", sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig. Das Deutsche Rote Kreuz war mit mehr als 100 Kräften im Einsatz, darunter Luftretter mit Spezialausbildung. Zudem wurden Hubschrauber zur Rettung der von den Fluten bedrängten Menschen eingesetzt.

In der südpolnischen Stadt Bogatynia standen drei Viertel aller Straßen unter Wasser.

Lage in Tschechien und Polen ebenfalls kritisch
Kritisch ist die Lage zudem in Tschechien, wo ebenfalls mehr als 1.000 Menschen vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht werden mussten. In Chrastava an der Lausitzer Neiße und der am Nebenfluss Smeda gelegenen Ortschaft Frydlant wurden mehrere Einwohner mit Hubschraubern von den Dächern ihrer Häuser gerettet.

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