Mo, 18. Dezember 2017

Neue Einträge

01.08.2010 17:10

UNESCO erkennt Bikini-Atoll als Weltkulturerbe an

Das derzeit in Brasilia tagende Welterbekomitee der UNESCO hat eine Reihe neuer Einträge in die Weltkulturerbe-Liste beschlossen. Neben mittelalterlichen Wasserwerken in Deutschland und Amsterdamer Grachten wurde auch das Bikini-Atoll, auf dem die USA einst Atomversuche durchführten, zum Weltkulturerbe erklärt. Auch der österreichische Antrag auf Erweiterung des Eintrags der Grazer Altstadt um Schloss Eggenberg wurde angenommen.

Insgesamt 39 Anträge auf Neuaufnahme werden dieser Tage in Brasiliens Hauptstadt behandelt. Anträge aus Deutschland, den Niederlanden, Saudi-Arabien, Australien, Indien, China und Iran haben es bereits bei der ersten Session geschafft.

Die neuen Weltkulturerbe
Neu in die Welterbeliste aufgenommen wurde etwa die Harzer Wasserwirtschaft (2.v.l.) als Erweiterung der Welterbestätte "Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar", die seit 1992 zum UNESCO-Welterbe gehört. Dieses System zur Speicherung von Wasser für die Krafterzeugung im Harzer Bergbau wurde größtenteils zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert erdacht, gebaut und genutzt. Der älteste Teil stammt jedoch aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

Erfreulich für Österreich: Auch das barocke Schloss Eggenberg in Graz wurde in die Liste aufgenommen. Der Grazer Vorschlag zur Erweiterung der Weltkulturerbe-Zone in der steirischen Landeshauptstadt war bereits 2005 eingereicht worden. 2006 erhielt man den Auftrag, für die gesamte Welterbezone einen Managementplan zu erstellen. Insbesondere ging es darum, die historische Achse zwischen der bereits 1999 zum Weltkulturerbe ernannten Grazer Altstadt und dem Schloss Eggenberg im Westen der Stadt darzustellen und eine Pufferzone zum Schutz der historischen Baujuwele einzurichten. Das Barockschloss Eggenberg wurde nach 1625 vom Italiener Pietro de Pomis als Residenz des kaiserlichen Statthalters Hans Ulrich von Eggenberg errichtet. Das Haus ist wie symbolisches Abbild des Universums gebaut mit 24 Prunkräumen und dem großen Planetensaal im Zentrum. Vor allem ein riesiger Zyklus von über 500 Deckengemälden des 17. Jahrhunderts ist von großer Bedeutung. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl erklärte nach der positiven Entscheidung, die Erweiterung sei für ihn und die Stadt Graz nicht nur "ein toller Erfolg, "sondern auch ein Auftrag, die historischen Schätze mit aller Kraft auch für zukünftige Generationen zu bewahren". Der Grazer Antrag beim UNESCO-Komitee sei ohne kontroversielle Diskussion einstimmig angenommen worden.

Aufgenommen wurde auch der Kanalring innerhalb der Singelgracht in Amsterdam (2.v.r), die Bischofsstadt im französischen Albi (Bildmitte), der historische Basar im iranischen Täbris oder die kaiserliche Zitadelle Thang Long im vietnamesischen Hanoi, die als neunhundertster Eintrag aufgenommen wurde.

Erfolgreich war auch der Antrag der Antrag der Marshall-Inseln, das Bikini-Atoll in die Liste des Weltnaturerbes aufzunehmen. Das Atoll liegt im Pazifik und wurde zwischen 1940 und 1958 von den USA für zahlreiche Kernwaffentests benutzt (1.v.l.). Der Status als Welterbe erleichtert den Zugang zu Fördergeldern und gilt als Touristenmagnet. Zum Welterbe wurden unter anderem auch das Hochland in Sri Lanka sowie das US-Meeresnaturschutzgebiet Papahnaumokukea (1.v.r.) bei Hawaii im Pazifik erklärt.

Kein "Go" für Donaubrücke in D, Everglades auf Roter Liste
Die UNESCO-Experten befassten sich auch mit Anfragen, ob geplante Baumaßnahmen mit bestimmten Weltkulturerbestätten im Einklang stehen. So gaben sie grünes Licht für den umstrittenen Bau der Mittelrheinbrücke in der Nähe des weltberühmten Loreleyfelsens in Deutschland. Das Welterbe Oberes Mittelrheintal sei davon nicht gefährdet. Keine Entscheidung gab es jedoch vorläufig über die in Regensburg geplante Donaubrücke.

Das Komitee entschied außerdem über gefährdete Denkmäler des Welterbes. So strich man in einer durchaus umstrittenen Entscheidung die Galápagos-Inseln von der Roten Liste. Auf die Rote Liste kamen dafür zwei Denkmäler in Georgien, die Bagrati-Kathedrale und das Gelati-Kloster. Hier würden Restaurierungsarbeiten die Denkmäler bedrohen. Neu auf diese Liste kamen auch der Nationalpark Everglades im US-Bundesstaat Florida wegen sinkender Wasserpegel und Verschmutzung sowie die Regenwälder von Atsinananain in Madagaskar wegen illegalen Holzeinschlags. Der Inka-Ruinenstadt Machu Picchu in Peru blieb dies erspart, aber die UNESCO mahnte hier eine bessere Kontrolle der Touristenströme an.

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