So, 17. Dezember 2017

Außer Kontrolle

06.10.2009 15:50

Polizist von wildem Ochsen überrannt - Prozess vertagt

Ein ausgerissener Ochse hat in Salzburg einen zivilgerichtlichen Streit ausgelöst. Das "wilde" Tier hatte am 6. Mai 2006 in Großgmain einen Polizisten überrannt, der 43-Jährige musste wegen seiner schweren Verletzungen vier Monate lang im Krankenstand bleiben. Er fordert jetzt von jener Bäuerin, bei der "Bimbo" eingestellt war rund 40.000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld. Die Republik pocht zudem auf rund 12.500 Euro Gehaltsfortzahlung. Die Verhandlung wurde am Dienstag vertagt.

Der Ochse löste in Großgmain einen Großeinsatz aus. Er war während des Weidegangs unruhig geworden, ging in Richtung Ortszentrum durch und zerstörte dabei insgesamt zehn Zäune. Feuerwehr und Polizei hefteten sich auf "Bimbos" Fersen. Nach mehr als zwei Stunden stand das Tier auf einer Wiese, laut Zeugen etwa zehn Meter von zwei Polizisten entfernt.

Plötzlich scharrte der Ochse zweimal mit den Hufen, senkte den Kopf und stürmte auf den 43-jährigen Beamten los - "aus unersichtlichem Grund", wie der zweite Polizist bei der Verhandlung dem Richter Andreas Schweizer erklärte. "Mein Kollege ist mit einem Stock in der Hand still dagestanden."

"Habe noch immer Schmerzen"
Die zwei Polizisten warteten damals auf einen Jäger, der das aufgeregte Tier betäuben sollte. "Als mein Handy läutete und ein Kollege sagte, er sei jetzt da, stürmte der Ochse auf mich los. Ich wollte im letzten Moment ausweichen, das ist mir aber nicht ganz gelungen", schilderte das spätere Opfer nach dem Prozess. Der Polizist erlitt einen Wadenbeinbruch, Bänderrisse und Rippenprellungen. "Durch die Verletzung hat sich manches in meinem Leben verändert. Ich habe immer noch Schmerzen."

Bäuerin wehrt sich gegen Vorwürfe
Die beklagte Bäuerin, bei der das Rind eines Metzgers eingestellt war, wies die Geldforderungen zurück. Der Ochse habe sich vorher nicht auffällig verhalten, "die Frau hat ihn ausreichend verwahrt", erklärte ihre Anwältin Anita Weich. Ein fester Zaun oder eine "Abschrankung" im Hofbereich sei laut einer Stellungnahme der Landwirtschaftskammer "unzumutbar und unverhältnismäßig". Mit dem Tier habe es vorher nie ein Problem gegeben, und beim Weidegang hätten sich fünf Personen um vier Tiere gekümmert, so Weich.

Weiter am 24. November
Ein Sachverständiger hatte allerdings in einer Verhandlung im Sommer gemeint, ein fester Zaun am Hof wäre notwendig gewesen, um das Auskommen eines Tieres zu verhindern. Der Rechtsvertreter der Republik verlangt von der Landwirtin eine Gehaltsfortzahlung von 12.564,13 Euro für den Zeitraum, in dem sich der Polizist im Krankenstand befand. Der Richter vertagte den Prozess zur Einvernahme weiterer Zeugen auf 24. November. "Bimbo" wurde angeblich vier Wochen nach dem Zwischenfall geschlachtet.

Bild: Die Jagd auf den Ochsen

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