Mo, 20. November 2017

„Kinder bedroht“

10.07.2009 09:25

Überraschendes Geständnis der Angeklagten

Ein überraschendes Geständnis im Prozess nach dem bewaffneten Überfall auf die Raika in Salzburg-Kasern am 18. September 2007 dominierte die Verhandlung am Donnerstag. Zwei Italiener, die bei ihrem ersten Termin vor Gericht noch behauptet hatten, nur als Touristen in Salzburg gewesen zu sein, gaben jetzt zu: "Ja, wir waren die Räuber." Das Motiv: Wegen hoher Schulden seien ihre Familien massiv bedroht worden.

48.835 Euro erbeuteten zwei vorerst unbekannte Täter, die die drei Bankangestellten mit einer Pistole bedrohten. Sie flüchteten mit einem gestohlenen Auto, das sie in der Tiefgarage eines großen Einkaufszentrums abstellten. Bilder aus den Überwachungskameras brachten die Polizei schließlich auf die Spur der Räuber. Am 14. März 2008 wurden die Sizilianer Maurizio V. (41) und Sebastiano R. (35) in ihrer Heimat verhaftet und an die österreichische Justiz ausgeliefert.

Bei der ersten Verhandlung noch alles geleugnet
Beim ersten Prozess im Dezember leugneten sie noch jeden Tatzusammenhang: "Die Männer auf den Fotos der Bankkamera sind viel kleiner als wir." Eine exakte Bildanalyse bewies aber das Gegenteil. Verteidiger Hellmut Prankl bei der Prozessfortsetzung am Donnerstag: "Meine Mandanten werden heute ein Geständnis ablegen."

Geldgeber drohten der Familie
"Wir haben uns 25.000 Euro ausgeliehen und sollten 35.000 zurückzahlen. Das konnten wir nicht. Da kamen Drohungen: 'Wir bringen eure Kinder um.' So ist das bei uns in Sizilien. Da geht’s gegen die Familie." Die Pistole hat Maurizio V. erst in Salzburg gekauft. "129 Euro hat sie gekostet", konnte er sich noch ganz genau erinnern.

Acht und sechs Jahre Haft
Er ist wegen Überfällen in Deutschland bereits acht Jahre in Haft gesessen. Jetzt bekam er wieder acht Jahre. Sein bisher unbescholtener Komplize Sebastiano R. kam mit sechseinhalb Jahren Haft davon. Beide nahmen Bedenkzeit. Auch Staatsanwältin Herta Stix gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

Fluchthelfer fehlte vor Gericht
Einer fehlte aber vor Gericht: Fluchthelfer Salvatore B. (45), der die beiden nach dem Überfall zurück nach Italien gefahren hat. Er teilte Richterin Gabriele Staindl vor dem Prozess mit: "Mein Vater liegt im Sterben. Ich fühle mich derzeit nicht verhandlungsfähig." Er wird sich dem Gericht später stellen müssen.

von Manfred Heininger, Kronen Zeitung

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