Mi, 22. November 2017

Depeche Mode

22.04.2009 17:48

Das Universum ist nicht genug

Inzwischen ist es fast schon eine Tradition, dass zwischen zwei Studioalben von Depeche Mode vier Jahre vergehen. Seit 1993 hält sich die Band an diesen Rhythmus. Oftmals entschädigten die Briten ihre Fans für die Wartezeit mit fantastischen Songs. Doch die jetzt erschienene CD "Sounds of the Universe" dürfte viele Anhänger enttäuschen.

Alles andere als bescheiden kommt das neue Depeche-Mode-Album daher. "Sounds of the Universe" (Klänge des Universums) hat das britische Elektro-Trio sein Werk betitelt. Giganten der Popmusik dürfen sich solch einen Größenwahn natürlich erlauben - allerdings  nur dann, wenn der Inhalt hält, was der Name verspricht. Doch eben dies ist bei dem aktuellen Longplayer nicht der Fall.

Schon mit dem 2001 erschienenen "Exciter" begann der musikalische Abstieg von Depeche Mode. Natürlich: Die Kompositionen der Briten sind nach wie vor besser als vieles, was der Musikmarkt derzeit bietet. Doch an die Brillanz alter Tage, als die Band mit Werken wie "Violator", "Black Celebration" oder "Songs of Faith and Devotion" Meilensteine der Popmusik setzte, reichen Depeche Mode offenbar nicht mehr heran. "Sounds of the Universe" ist das schwächste Album, das die Gruppe, die seit 29 Jahren besteht, in den vergangenen 25 Jahren veröffentlicht hat.

Nur einmal blitzt Gores Genialität auf
Nur einmal blitzen auf "Sounds of the Universe" die famosen Songwriter-Qualitäten von Mastermind Martin L. Gore (der auch wieder Sänger Dave Gahan erlaubt hat, ein paar Lieder beizusteuern) auf. "Wrong" (siehe Video), das schlauerweise als erste Single ausgekoppelt wurde, ist das einzige Lied, das gleichermaßen Hit-Qualitäten und Tiefe besitzt.

Eine Handvoll netter, durchaus solider Songs kommt hinzu, beispielsweise der Opener "In Chains", die minimalistische Ballade "Jezebel" und das dynamische "In Chains" – fast alle mit historischen, analogen Synthesizern arrangiert.

Lahm, uninspiriert, überflüssig
Doch spätestens bei Stücken wie dem merkwürdig uninspirierten "Miles away - The truth is", dem lahmen "Corrupt" und dem überflüssigen Instrumentalstück "Spacewalker" sehnen sich die Fans nach alten Zeiten zurück.

Vielleicht sind die abnehmenden Qualitäten der Gruppe ja einer gewissen Altersmilde geschuldet. Martin L. Gore, Dave Gahan und Andy Fletcher gehen mittlerweile stramm auf die 50 zu. Möglicherweise ist das Problem auch, dass die drei mittlerweile nach eigenen Angaben ihre innere Mitte gefunden und Harmonie innerhalb der Band hergestellt haben. Auch Drogenexzesse gehören der Vergangenheit an. Ohne diese Kehrtwende würde es Depeche Mode heute vermutlich gar nicht mehr geben. Doch manchmal, in einer finsteren Ecke seines Herzens, wünscht sich der Fan dennoch, dass die Band wieder, jung, streitsüchtig und exzessiv wird. Denn damals, ja damals war alles besser. Zumindest für den Hörer.

Fazit: 6 von 10 Punkten

von Tobias Pusch

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