Mi, 23. Mai 2018

Frau "vermietet"

30.09.2008 14:37

19-Jährige verschleppt - fünf Monate für Mittäter

Für großes Aufsehen hat im August 2008 der Fall einer 19 Jahre alten Kärntnerin gesorgt, die drei Tage lang in der Gewalt eines 18-jährigen Landsmannes quer durch Österreich reiste und mehrfach missbraucht worden sein soll. Am Dienstag wurde am Landesgericht Klagenfurt ein 17 Jahre alter Mittäter wegen "Unterlassung der Verhinderung einer kriminellen Tat" sowie Nötigung zu fünf Monaten bedingter Haft verurteilt. Er hatte laut Anklage unter anderem nicht eingegriffen, als die junge Frau gezwungen wurde, einen wildfremden Mann auf einer Hoteltoilette in Salzburg für fünf Euro oral zu befriedigen. Der Prozess gegen den Haupttäter findet in den nächsten Wochen statt.

Das Trio war von Oberösterreich kommend am Salzburger Hauptbahnhof gestrandet. Um Geld für Nahrungsmittel aufzutreiben, wurde erst gebettelt, später soll dem Rädelsführer die Idee gekommen sein, sein Opfer an einen fremden Mann zu "vermieten". "Ich habe zuerst gedacht, das ist ein Scherz", erzählte der 17-Jährige. Die Begleiterin sei unter Druck gesetzt worden, er selbst sei damals nicht auf Idee gekommen, dass etwas falsch laufe.

Fünf Euro "Schandlohn"
"Ich habe ihr keinen Zwang angetan", verteidigte sich der Bursche gegenüber Jugendrichter Alfred Pasterk. Während das Opfer mit dem fremden Mann auf der Toilette war, habe man in der benachbarten WC-Anlage "eine geraucht". Die fünf Euro "Schandlohn" nahm der Haupttäter an sich, um sein am Bahnhof in Spittal an der Drau stehendes Auto aufzutanken. Zwei Tage später banden die zwei jungen Männer in Kärnten ihr Opfer mit einem Abschleppseil an die Anhängekupplung eines Autos. Die Frau musste rund 20 Meter hinter dem Fahrzeug hertraben. "Das ist ist ja wie Sklaventreiberei in der Sahara", platzte dem Richter an diesem Punkt der Kragen.

"Kleines Rädchen in der Schweinerei"
Warum der 17-Jährige dem Treiben zusah und nicht einschritt, konnte er am Dienstag nicht wirklich erklären. "Zum Schluss hat es mir aber gereicht", meinte der Angeklagte. "Sie sind ein kleines Rädchen in der Schweinerei, die da passiert ist. Es wird dringend notwendig sein, Ihre Defizite aufzuarbeiten", meinte Richter Pasterk.

Auch das Opfer sagte aus
Kurz sagte auch das 19-jährige Opfer aus. Ihr sei gedroht worden, es werde "etwas passieren", wenn sie ihre Sache nicht gut mache, erzählte die junge Frau. "Der Angeklagte hat Handlungen geschehen lassen, die irgendwie jenseits sind", erklärte die sichtlich um Worte ringende Staatsanwältin Gabriele Lutschounig. Eine Diversion schloss die Anklägerin gleich vorweg "wegen Grauslichkeit" aus. Das Urteil lautete fünf Monate bedingte Haft. Der Bursche nahm das Urteil an, Lutschounig gab keine Erklärung ab.

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