Mo, 28. Mai 2018

RAF-Mordrätsel

14.09.2008 14:27

Regisseur Edel: "Ich weiß, wer Schleyer tötete"

Der Regisseur des RAF-Filmes "Der Baader Meinhof Komplex" sorgt für Aufregung in Deutschland. Uli Edel (Foto rechts) will von ehemaligen Mitgliedern der "Roten Armee Fraktion" erfahren haben, wer den damaligen deutschen Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer (Foto links) ermodet hat. Die Entführung Schleyers und die schlussendliche Bluttat war der Höhepunkt im Terror der linksextremistischen RAF gegen das damalige Westdeutschland.

Zur Recherche für seine Verfilmung des Buches "Der Baader Meinhof Komplex" (mehr zum Film siehe Infobox) habe Edel mit mehreren Ex-Terroristen gesprochen, sagte er dem "Focus". "Neben Klatsch, wer in der RAF mit wem schlief, oder wie viele Millionen sie wirklich aus den Banken geholt hatten, erfuhr ich auch, wie die Massaker genau abliefen", behauptet Edel.

Und ganz beiläufig zählte er dabei auf: "Etwa, was die Staatsanwaltschaft nach 30 Jahren nicht klären konnte, wer Schleyer wirklich erschossen hatte". Da er es aber nicht habe beweisen können, sondern nur diese Aussagen gehabt hätte, habe er dieses Wissen nicht verwenden können. Die zuständige Bundesanwaltschaft in Karlsruhe äußerte sich am Samstag nicht.

Höhepunkt des RAF-Terrors
Schleyer - ein ehemaliger SS-Mann - war bei seiner Entführung Anfang September 1977 Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. RAF-Terroristen verschleppten ihn und forderten die Freilassung ihrer inhaftierten Kämpfer. Die deutsche Bundesregierung verneinte und blieb auch bei der Entführung des Flugzeugs Landshut Mitte Oktober hart. Elitepolizisten stürmten damals nach fünf Tagen "Weltreise", am 18. Oktober, in Mogadischu das Flugzeug und befreiten die Geiseln. Noch am selben Tag  begingen mehrere inhaftierte RAF-Täter Selbstmord, darunter auch Andreas Baader. Einen Tag später gab man die Ermordung der Geisel Schleyer bekannt. Wer die drei Kopfschüsse abgab, wurde bisher von den RAF-Täter geheim gehalten.

Edel musste Terroristen Geld für Auskünfte zahlen
Die befragten RAF-Täter wollten laut Edel alle Geld, bevor sie Auskunft gaben: "Nach Bezahlung einer bestimmten Summe bekam ich bereitwillig Auskunft", erzählte Edel von der kostspieligen Recherche-Arbeit für den preisgekrönten Film. "Einige boten sich zudem als Berater am Set an", sagte der in Amerika lebende Regisseur dem "Focus". "Als ich das strikt ablehnte, kam es auch zu Drohungen, sie würden dann verbreiten, was ich da über sie verfilmt hätte, sei totaler Quatsch. Diese coole Selbsteinschätzung ihrer Macht hat mir erst mal die Sprache verschlagen", sagte Edel. Der Film ist ab 26. September in Österreich zu sehen.

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