So, 21. Jänner 2018

Wirbel in Berlin

08.08.2008 08:40

Beisl mit Stasi-Flair regt auf

In einem kleinen Beisl im Berliner Stadtteil Lichtenberg kann man an verwanzten Tischen und in Gegenwart einer Attrappe der Urne des DDR-Chefs Erich Honecker speisen. Geschredderte Akten zieren das Mini-Lokal, eine Schaufensterpuppe in Uniform grüßt am Eingang und die Gäste bekommen Rabatt, wenn sie sich als "Stasi-Informant" deklarieren. Die beiden Besitzer Willi Gau und Wolfgang Schmelz ecken mit ihrem neu gebrandeten Etablissement "Zur Firma" ordentlich an.

Es sei eine Ungeheuerlichkeit und eine Verhöhnung der Opfer des kommunistischen Kontroll-Apparats der DDR, empörte sich etwa die Chefin des Stasi-Archivs in Berlin, Marianne Birthler. "Jenen Menschen, die die Unmenschlichkeit des 'Ministeriums für Staatssicherheit' am eigenen Leib erfahren mussten, würde dort sicher kein Bier schmecken", sagte sie.

Die beiden Lokalbesitzer sehen das anders. Man müsse mittlerweile über diese Dinge reden könnten. "Zur Firma" solle sehr wohl provozieren. "Nach 20 Jahren müssen wir aber schön langsam über diese Vergangenheit reden können", meinte Gau zu Reuters. Über dem Eingang des Lokals hängt übrigens ein Schild, auf dem es heißt: "Kommen Sie zu uns, sonst kommen wir zu Ihnen!"

Die Stasi
Das Ministerium für Staatssicherheit - umgangssprachlich kurz "Stasi" - war der Inlands- und Auslandsgeheimdienst der DDR und zugleich eine knallharte Ermittlungsbehörde für "politische Straftaten". Die Stasi war vor allem ein Unterdrückungs- und Überwachungsinstrument der "Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands" gegen die Bevölkerung der DDR zur Sicherung ihrer Macht. Dabei wurde auch gefoltert und eingesperrt. Berge von Akten hinterließen die Stasi-Schergen beim Fall der Mauer, obwohl sie einen großen Teil der Dokumente mit Schreddern vernichten konnten. Im Stasi-Archiv in Berlin können Ex-DDR-Bürger die Akten, die das paranoide DDR-Regime über sie angelegt hat, einsehen.

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