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23.10.2026

Krone Extra Tirol

Innovative Feuerwehrpioniere

Der Bezirksfeuerwehrverband Kufstein wurde 1876 gegründet und ist damit der älteste Bezirksfeuerwehrverband der Europaregion sowie einer der ältesten in Österreich.

FF Kastengstatt mit Marketenderinnen im Jahr 1921. Fotos: Archiv Martin Reiter

Seine Geschichte ist weit mehr als die Chronik eines Feuerwehrverbandes. Sie erzählt von Menschen, die ihrer Zeit oft voraus waren, Entwicklungen nicht abwarteten, sondern selbst anstießen. Der Bezirksfeuerwehrverband Kufstein war immer wieder dort zu finden, wo Neues entstand. Er war Ideengeber, Wegbereiter und oftmals Vorreiter.

Als erster Bezirksfeuerwehrverband Tirols wurden unter Bezirkskommandant Anton Karg die Grundlagen für eine Entwicklung gelegt, die den Verband über Jahrzehnte prägen sollte. Fortschritt war niemals Selbstzweck, sondern diente dem Ziel: Menschenleben besser zu schützen und den Feuerwehrdienst effizienter, sicherer und kameradschaftlicher zu gestalten.

Neue Methoden der Brandbekämpfung

Schon Ende des 19. Jahrhunderts blickten die Verantwortlichen weit über Tirol hinaus. Die Brüder Hans und Franz Reisch bereisten die Vereinigten Staaten, besuchten die modernsten Feuerwehren Chicagos und studierten auf der Weltausstellung die neuesten Methoden der Brandbekämpfung.

Das erworbene Wissen brachten sie als Auftrag mit nach Hause, um Innovationen auch in der Heimat umzusetzen. Dieser Pioniergeist zeigte sich in zahlreichen Entwicklungen. Bereits 1894 wurden moderne Telefonverbindungen und automatische Feuermelder eingesetzt - zu einer Zeit, als diese Technik vielerorts noch Zukunftsmusik war. Zugleich stellte die Familie Reisch technische Anlagen einen leistungsfähigen Tiefbrunnen der Feuerwehr zur Verfügung und schuf damit neue Möglichkeiten der Löschwasserversorgung.

Auch organisatorisch setzte der Bezirksfeuerwehrverband Maßstäbe. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigte man sich mit moderner Alarmierung, Unfallversicherungen für Feuerwehrmitglieder und deren Pferde sowie sozialen Absicherungen wie Sterbekassen. Damit zeigte sich früh: Kameradschaft bedeutete auch Verantwortung für jene, die freiwillig Dienst für die Allgemeinheit leisteten. Mut bewies der Verband auch bei neuen Formen der Nachrichtenübermittlung: Während das Fahrrad noch eine Errungenschaft war, wurden Richtlinien für Feuerwehr-Radfahrordnanzen entwickelt. Ebenso engagierte man sich bereits vor mehr als 120 Jahren für die Gewinnung junger Menschen und die Aufnahme Jugendlicher in die Feuerwehren, damals ein visionärer Gedanke. Dabei blieben Grundwerte unverändert: Disziplin, Ausbildung, Einsatzbereitschaft und standen über Geselligkeit. Feuerwehrdienst wurde aus Überzeugung geleistet, nicht wegen eines anschließenden Freibieres.

Kufstein als großer Innovationsmotor

Auch jüngst blieb der Bezirksfeuerwehrverband Kufstein Innovationsmotor. Pilotbezirk für den Digitalfunk, richtete er als erster Bezirksverband Tirols ein Drohnenteam ein, etablierte eine Tauchergruppe außerhalb der Innsbruck und verfügt mit der Drehleiter DLK 38/12 in Kufstein über die höchste Drehleiter Tirols. Mit der Bezirkszentrale in der Bezirkshauptmannschaft Kufstein wurden zudem neue Maßstäbe in der Einsatzkoordination gesetzt. Berufsfeuerwehr

Auch gesellschaftliche Entwicklungen wurden mitgestaltet. Mit Sybille Grat absolvierte erstmals eine Frau in der 2. Republik den Grundlehrgang an der Landes-Feuerwehrschule Tirol.

All diese Beispiele verbindet ein Gedanke: Innovation entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, den Mut haben, Neues auszuprobieren, und dabei den eigentlichen Auftrag nicht aus den Augen verlieren. Der Bezirksfeuerwehrverband Kufstein hat diese Haltung über Generationen gelebt. Er war nicht deshalb Vorreiter, weil er der erste Bezirksfeuerwehrverband in der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino und einer der ersten in Österreich war, sondern weil engagierte Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner immer wieder bereit waren, vorauszugehen.

So zieht sich ein roter Faden durch 150 Jahre Verbandsgeschichte: Der Bezirksfeuerwehrverband Kufstein war nicht nur Zeuge des technischen und organisatorischen Fortschritts im Feuerwehrwesen - er hat ihn in vielen Bereichen selbst mitgestaltet. Darauf dürfen die Feuerwehren des Bezirkes mit Stolz zurückblicken.

Noch wichtiger ist die Gewissheit, dass dieser Pioniergeist bis heute lebt und kommende Generationen dazu inspirieren wird, Bewährtes zu bewahren und zugleich mutig neue Wege zu beschreiten.

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