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23.10.2026

Krone Extra Tirol

Die Abnehmspritze aus der Sicht der Diätologie

Diätologin Edburg Edlinger klärt auf: Wer wirklich von der Abnehmspritze profitieren kann - und wo die Gefahren liegen.

Foto: Chat GPT/Edburg Edlinger

Die Abnehmspritze ist eine große Chance für Menschen, bei denen man mit Ernährungstherapie, Bewegung und psychologischer Unterstützung allein bisher an die Grenzen gekommen ist.

Gleichzeitig können die sogenannten GLP-1-Medikamente für manche Menschen zum Problem werden - besonders dann, wenn der Gewichtsverlust zum alleinigen Ziel wird und Essen plötzlich fast vollständig aus dem Alltag verschwindet. Leider sehen wir in der Sprechstunde viel zu wenige Menschen, die sich zusätzlich zur Abnehmspritze auch ernährungstherapeutisch begleiten lassen“, beobachtet Diätologin Edburg Edlinger.

Die Gier nach immer weniger

In der Praxis erlebt die Diätologin immer wieder Menschen, bei denen aus dem Wunsch, abzunehmen, eine regelrechte Jagd nach immer weniger Gewicht wird. Die Dosis wird eigenständig unreflektiert erhöht, obwohl Erbchen, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Müdigkeit oder Erschöpfung auftreten. Gegessen wird immer weniger - und manchmal werden diese Warnsignale aus Angst vor einer Gewichtszunahme sogar verschwiegen.

Auch das Erleben von „Food Noise“ spielt dabei eine Rolle. Damit ist das ständige gedankliche Kreisen ums Essen gemeint. Wenn dieses Gedankenkarussell durch die Medikamente plötzlich verstummt, kann das als enorme Befreiung erlebt werden. Manche Menschen wollen diesen Zustand dann um jeden Preis behalten.

Die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) bei Werner zeigt: 4 Kilo Fettabbau und 2,3 Kilo Muskelaufbau (BCM) während des Beobachtungszeitraums. Foto: zVg
Die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) bei Werner zeigt: 4 Kilo Fettabbau und 2,3 Kilo Muskelaufbau (BCM) während des Beobachtungszeitraums. Foto: zVg

„GLP-1-Medikamente führen nicht automatisch zu Muskelabbau, wie manchmal behauptet wird“, erklärt Edlinger: „Problematisch wird es, wenn durch eine zu starke Appetitunterdrückung dauerhaft viel zu wenig gegessen wird. Dann fehlen nicht nur Energie, sondern auch Eiweiß und andere wichtige Nährstoffe - und neben dem gewünschten Fettverlust kann auch wertvolle Muskelmasse verloren gehen.“

Deshalb braucht es aus ihrer Sicht neben dem Blick auf die Waage vor allem einen Blick auf den Menschen: Wird ausreichend gegessen? Ist die Nährstoffversorgung gesichert? Bleibt die Muskulatur erhalten? Wie verändern sich Hunger, Sättigung, Verdauung und Lebensqualität?

mit Eine regelmäßige Ernährungssprechstunde Untersuchung der Körperzusammensetzung ist also eine wertvolle Ergänzung.

Ein Fall für die Abnehmspritze?

Ein Fall aus der Praxis: Werner (Name geändert), BMI 28, belastet sein Gewicht schon lange. Sein Essalltag war allerdings alles andere als regelmäßig: Meist aß er nur einmal täglich, spätabends - dafür umso mehr.

Ohne vorheriger Ernährungsberatung ließ Werner sich dann vom Arzt die Abnehmspritze verordnen. Mit Erfolg auf der Waage: In nur fünf Wochen verlor er sieben Kilogramm.

Doch gleichzeitig wurde er zunehmend müde und schlapp. Und obwohl er eigentlich froh über den Gewichtsverlust war, entwickelte sich eine andere Angst: Was passiert, wenn ich die Spritze absetze? Kommt der Hunger zurück? Nehme ich alles wieder zu? Vielleicht sogar noch mehr?

Zum Glück folgte Werner schließlich dem ärztlichen Rat und kam zur Ernährungstherapie.

Heute isst er wieder regelmäßig gemeinsam mit seiner Familie - drei Mahlzeiten am Tag, abwechslungsreich und ausgewogen. Der gefürchtete Heißhunger am Abend kam trotz des Ausschleichens der Medikation nicht zurück.

Essalltag hat sich erfolgreich verändert

Durch Energiezufuhr über den Tag muss Werner abends nicht mehr mit „Löwenhunger“ über das regelmäßige Nachtmahl herfallen. Gleichzeitig konnte er seine Muskelmasse wieder aufbauen und seine Lebensqualität verbessern. Und ganz nebenbei verlor er weitere vier Kilogramm Körperfett.