Das freie Wort

Welterschöpfungstag

Am 29. Juli war der Welterschöpfungstag. Zu dem Stichtag hatten „wir“ – die Menschheit – alle regenerierbaren Ressourcen des Planeten Erde ausgebeutet, das restliche Jahr betreiben wir bereits Raubbau. Aber nicht nur im Jahr 2021, sondern seit vielen Jahrzehnten. Umweltschutz ist in aller Munde. Aber das war es dann auch schon. Sämtliche Lebensumstände müssten vollständig geändert werden. Von den Regierungen bis zu den einzelnen Menschen. E-Mobilität bis hin zu elektrisch unterstützten Lastenfahrrädern ist z. B. ein häufiges Thema. Das heißt, es muss mehr Strom erzeugt werden, viel mehr Strom. Die wichtigste Energiequelle wäre die eingesparte Energie. Aber das kommt in den Programmen gar nicht vor. Sämtliche Gewässer bei uns sind bereits schwer geschädigt. Aber der Plan ist: weitere 5 TWh aus Wasserkraft. Namhafte Koryphäen wie Univ.-Prof. Dr. Bernd Lötsch, die bekannte Umweltlegende von Hainburg, warnt vor der weiteren Zerstörung der Wasserwelt. Von allem anderen abgesehen, der ÖAMTC hatte vor gar nicht langer Zeit aufgezeigt, 1 kWh Strom verursacht 258 Gramm CO2. Der „grüne Strom aus Wasserkraft“, wieso? Weil bei Zeiten von Niederwasser der Energiebedarf mit herkömmlichen kalorischen Kraftwerken gedeckt wird. Und Trockenheiten dauern immer länger. Während viel geschrieben und geredet wird, geht die Zerstörung der Umwelt unaufhaltsam weiter, aber keiner registriert das. Ich hatte jetzt nach langer Zeit eine Fahrt auf der Autobahn durchzuführen, wusch die Windschutzscheibe vorher. Als ich zurückkam, war die so blank wie bei der Abfahrt, kein einziges Insekt klebte darauf. 75 Prozent unserer Insektenbiomasse ist innerhalb von 4 Jahrzehnten vor unseren Augen verschwunden. Die steirische Naturschutzzeitung „Natur & Land“ schrieb vor Kurzem, 84 Prozent der Fischarten der Steiermark seien gefährdet. Wenn man bewusst hinschaut, dann sieht man die allgegenwärtigen Zerstörungen der Umwelt. Das sind die „Zeichen an der Wand“, nur leider glauben viele, mit einigen kosmetischen Korrekturen werden sie die Welt retten. Wir müssen die Vergeudung stoppen. Die Vergeudung in jeder Form, von Rohstoffen, von Energie und von Lebensmitteln. Und zwar jeder Einzelne. Das gilt für alles, auch für Konsumgüter wie Kleidung und natürlich auch für Autos. Die Produktion eines Neuwagens verursacht ein Mehrfaches an Umweltbelastung und CO2, als einen Pkw 25 Jahre lang zu fahren. Aber was glauben denn die Nachbarn, wenn man nicht alle fünf Jahre einen neuen Wagen hat?

Helmut Belanyecz, Präsident ÖKF FishLife, Österreichisches Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, Dachverband Österreichischer Fischereivereine und Angler, Wien

Erschienen am Sa, 31.7.2021

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