Das freie Wort

Pfiat eich, Briten.

. . . baba und fallts net! Die Trivial-Sicht. Differenzierter: Britische Populisten haben das Fiasko 2015 beim Schopf gepackt und sind den in Sachen EU-Destabilisierung hoch aktiven USA plus Russland in die Arme gefallen. Nun werden die Dimensionen sichtbar für die Briten. Aber auch für Europa. Denn wir Kontinental-Europäer schicken mehr hinüber als die Briten zu uns. Zölle wären der erste Schuss ins EU-Knie. Dramatischer: London trat stets für die wichtigen Werte ein – für Stabilität, Haushalts-Disziplin, das „Niemals vergessen“ –, auch für die EU-Gründer-Gedanken Robert Schumans, der dezidiert „gegen eine Verschmelzung der Staaten, gegen ein Einreißen der ethnischen und politischen Grenzen und gegen einen Brüsseler Überstaat“ (Zitat) war. Auf ihrem pseudo-moralischen Podest sehen das manche ziemlich anders. Und dies – plus unkontrollierte Zuwanderung – sind Gründe für das Briten-Votum. Nun wollen die Briten à la Thatcher eine Zollunion mit Rechten ohne Gebühren. Brüssel kriegt da Eiterbeulen (= Existenzangst). Muss jedoch Entgegenkommen zeigen, aber Beispielsfolgen verhindern: eine Quadratur des Kreis. Verlieren die Briten den Poker und gehen: Dann haben Süd(ost)länder die Mehrheit in allen EU-Entscheidungsgremien. Was Stabilitätsgedanken schmelzen lässt wie die Sonne Palermos Gelati. Und mit dem robusten EU-Auftritt in der Welt wär’s auch vorbei. Denn Großbritannien unterhält die weitum stärkste Armee. Dann war’s das mit einer global geachteten EU-Verteidigungs-Union. Die Sache ist vertrackt. Und wird in einer Nacht der langen Messer mit einem Teil-Verbleib der Briten enden. Hoffentlich. Andernfalls hat die EU Robert Schumans die besten Zeiten hinter sich.

Karl Turecek, Linz

Erschienen am Fr, 18.1.2019

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