Das freie Wort

Armut, ein Produkt unserer Politik

Es überkommt einen zwangsläufig ein Gefühl der Bitterkeit, denkt man in diesen Tagen der Eiseskälte an Menschen, die in Armut leben, die kein Dach über dem Kopf, kein warmes Essen, ja oftmals nicht einmal warme Kleidung am Körper haben. Die Zahl derer ist auch im „reichen“ Österreich ständig steigend, und aktuell sind es rund 15.000 Menschen die über keine Wohnung verfügen. Zumeist davon betroffen sind Menschen, denen das Leben übel mitgespielt hat, die ihre Arbeit verloren haben, die durch Krankheit oder andere unglückliche Lebensumstände in die Armut geraten sind. Häufig sind es auch alleinerziehende Mütter und deren Kinder, die mit Sicherheit kaum Schuld an ihrem traurigen Los sind. Tage wie diese, in denen kaum jemand freiwillig die warme Stube verlässt, in einer eisigen, ungeheizten Wohnung verbringen und dabei vielleicht auch noch hungern zu müssen, ist für uns alle ein kaum vorstellbarer Gedanke, und dennoch lassen wir es tausendfach zu. Noch schlimmer der Gedanke an Menschen, die in der derzeit herrschenden Eiseskälte die Nacht im Freien verbringen müssen. Aber auch das ist im Sozialstaat Österreich für viele Menschen raue Wirklichkeit. Wie kann ein Staat, der zulässt, dass tagtäglich Hunderte Tonnen an brauchbaren, unverdorbenen Lebensmitteln weggeworfen werden, anstatt diese in organisierter Form Bedürftigen zuzuführen, ein Staat, der unzählige Steuermillionen für völlig nutzlose, unnötige Projekte in die Luft bläst, ein Staat, der sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu den reichen Ländern dieser Erde zählt, solche dramatischen Zustände einfach zulassen? Ein Staat, dessen Regierungen sich rühmen, wie sehr ihnen die Menschen am Herzen liegen, wie können diese Politiker ruhig in ihren warmen Betten schlafen, solange sich draußen in eisiger Kälte hilflose, vom Schicksal benachteiligte, von der Gesellschaft vergessene, oftmals hungernde und kranke frierende Menschen herumtreiben müssen? Unzählige Kasernen, Gebäude des Bundes oder der Länder stehen leer, und es gäbe genügend Einrichtungen und Institutionen in Österreich, die man wenigstens bei solchen extremen Wetterverhältnissen zur Linderung der Probleme der davon betroffenen Menschen einsetzen könnte. Leider ist Armutsbekämpfung etwas, wofür sich nur wenige starkmachen. Lobbyisten haben wichtigere, einträglichere Dinge zu erledigen. Die zunehmende Ausbeutung am Arbeitsplatz, der permanente Sozialabbau, der moderne Sklavenhandel (Personalleasing etc.), der von den Konzernen gesteuerte Import von Billigarbeitskräften und die Verlagerung arbeitsintensiver Tätigkeiten in asiatische Billiglohnländer, die ständige Umverteilung des Kapitals von Arm zu Reich wird die Armut in Österreich und in ganz Europa stark vorantreiben, und wir werden zukünftig eher mehr als weniger Fälle zu beklagen haben, die hungern und frieren müssen, wenn sich die Politik nicht bald wieder um die Probleme der Menschen, anstatt um die Konzerne, Banken und Finanzhaie kümmert. Die Politik darf hier nicht wegschauen, denn sie ist es, die die Produktion der Armut sehr begünstigt.

Franz Zwickl, Muthmannsdorf

Erschienen am Di, 6.3.2018

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