12.02.2008 20:37 |

Nach Kunstraub

Fahndung nach Räubern läuft auf Hochtouren

Zwei Tage nach dem spektakulären Kunstraub in der Zürcher Sammlung Bührle, bei dem vier Hauptwerke von Cezanne, Monet, Degas und Van Gogh im Wert von über 113 Millionen Euro geraubt wurden, sind die Ermittlungen in vollem Gange. Zusätzlich zur Zürcher Polizei wurde auch Interpol in die Fahndung eingeschaltet. Der Schweizer Museumsverband rief seine Mitglieder indessen zu erhöhter Wachsamkeit auf, in österreichischen Museen fühlt man sich gut gerüstet. Im Kunsthistorischen Museum (KHM) wird laut dem kaufmännischen Direktor Paul Frey heuer eine Million Euro in Sicherheit investiert.

Dank der breiten Information vom Montag seien diverse Hinweise eingegangen, sagte der Schweizer Polizeisprecher Marco Cortesi. Er hielt sich aber bedeckt bezüglich der Frage nach einer heißen Spur. Etwas relativiert wurde der Hinweis auf das vermutlich weiße Täterauto.

Museumsbesucher hätten zwar am Boden liegend und unter Schock ein weißes Auto abfahren sehen, ob es sich aber tatsächlich um das Täterauto handle, sei nicht gesichert. Auch der Zusammenhang mit den einige Tage zuvor im Seedamm-Kulturzentrum gestohlenen zwei Picasso-Bildern ist weiterhin nicht geklärt.

Kunstraubexperte vermutet Bande aus dem Balkan
Der Kunstraubexperte Julian Radcliffe vermutet, dass eine Bande aus dem ehemaligen Jugoslawien hinter dem Überfall stecken könnte. Einer der Täter habe einen slawischen Akzent gehabt. Zudem sei die Kriminalität im Bereich der Kunst in Montenegro, Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina ansteigend, so der Präsident der weltgrößten Datenbank für gestohlene Kunstwerke, Art Loss Register.

Die organisierten Banden, so Radcliffe, verkaufen die Kunstwerke häufig im Untergrund untereinander weiter. Die Bilder zirkulieren so lange, bis die Täter glauben, dass sie nicht mehr als gestohlen erkannt werden. "Das kann dann bis zu 20 Jahre dauern."

Wertvolles Cezanne-Bild haben Räuber "vergessen"
Mit viel Kunstverständnis dürften die drei maskierten Täter jedenfalls nicht vorgegangen sein, ließen sie doch das den vier Gemälden unmittelbar folgende Selbstporträt von Paul Cezanne unbehelligt, obwohl es zu den wertvollsten Bildern des Museums zählt.

Wiener Albertina bangt um versprochene Leihgabe
In Wien hofft man unterdessen, dass die ohnehin nur vorsichtig verleihende Familie Bührle nach den jüngsten Ereignissen nicht ihre Zusage für eine Van Gogh-Leihgabe an die Albertina revidiert. Als Leihgeber müsse man auf die Sicherheit vor Ort besonders achten, so Schröder. Vor allem durch den großen Abstand zwischen Eingangsbereich und den Kunstwerken sei die Albertina jedoch sehr viel sicherer.

Auch im Kunsthistorischen Mudeum weiß man seine Standards auf dem neuesten Stand, heuer werde man wieder knapp eine Million Euro in die Sicherheit investieren. Das "Erschreckende" an diesem Kunstraub sei die Brutalität der Täter, meinte der kaufmännische Direktor des KHM, Paul Frey. Diesen Umstand betonte auch Cortesi am Dienstag erneut. Bei dieser "neuen Dimension von Kunstraub" nütze der beste Einbruchschutz nichts.

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