Di, 21. August 2018

Bau-Versicherung

05.10.2007 09:07

No risk, no fun - und dann?

Die Österreicher lieben es riskant – zumindest, was den Hausbau betrifft. Gleich 8.000 private Bauprojekte sind zurzeit nicht versichert. Denn nur ein Drittel der „Häuslbauer“ schützt sein geplantes Eigenheim vor oder spätestens zu Beginn der Bauarbeiten mit einer Versicherung. So die – erschreckenden – Ergebnisse einer aktuellen Umfrage, die im Auftrag eines großen österreichischen Versicherungsunternehmens durchgeführt wurde. Eine Nachlässigkeit, die fatale Folgen haben kann. Denn gerade bei privaten Bauvorhaben ist ein umfassender Versicherungsschutz wichtig.

Österreich ist ein Land der „Häuslbauer“. Jährlich werden rund 17.000 Ein- oder Zweifamilienhäuser fertig gestellt, das sind rund 50 Prozent aller Wohnungen in Neubauten (Quelle: Statistik Austria). Im Auftrag der „Wiener Städtischen Versicherungs AG“ hat nun das Marktforschungsinstitut „market“ Versicherungsbedarf und Investitionsvolumen von privaten Bauprojekten erhoben.

Umfrage: Deutliches Versicherungsdefizit
Legt man die Ergebnisse der Umfrage auf die zurzeit erteilten Baubewilligungen um, so ergibt das die stattliche Zahl von 8.000 privaten Bauprojekten, die überhaupt nicht oder erst knapp vor Fertigstellung versichert werden.

Das Fatale daran: Eine Belohnung für das risikoreiche Spiel mit dem Feuer (im Extremfall sogar im wahrsten Sinn des Wortes, etwa bei Brandschaden), gibt es so gut wie keine. Denn Geld spart sich der Häuslbauer durch die fehlende Versicherung nicht. Im Regelfall ist eine „Rohbauversicherung“ nämlich prämienfrei, wenn nach der Bau-Fertigstellung eine Gebäudeversicherung (Eigenheim- und Haushaltsversicherung) abgeschlossen wird.

So „Wiener Städtische“-Chef Dr. Günter Geyer: „Es ist wirklich ganz einfach: Wenn der Kunde etwa bei uns eine Eigenheimversicherung abschließt, genießt er prämienfreien Versicherungsschutz für die gesamte Rohbauzeit bis zur Fertigstellung – bis zu 24 Monate lang.“

Geschützt ist man damit jedenfalls sofort gegen Feuerschaden.

Tipp: Angebote sollten auch auf Schutz gegen Naturgefahren, wie etwa Sturm-, Hagel- oder Blitzschäden geprüft werden. Aber auch, ob die 24 Monate für das geplante Bauvorhaben auch tatsächlich ausreichen.

(Ver-)Sicher(t)er Hausbau
Es gibt soviel zu bedenken und zu planen, wenn man sein Hausbau-Projekt beginnt. Da spielen versicherungsrechtliche Aspekte oft eine ganz untergeordnete Rolle. Zu Unrecht, denn mögliche Haftungen und damit auch finanzielle Risken beginnen bereits beim Grundstückskauf und wachsen dann mit dem Fortschreiten des Projektes mit.

Für die meisten Hausbauer handelt es sich dabei jedoch um versicherungsrechtliches Neuland, das auch in der Folge mangels Zeit und ausreichender Information nicht entdeckt wird.

Dazu kommt noch, dass die österreichischen Versicherungsunternehmen ihre Produkte seit dem EU-Beitritt frei gestalten können. Der Vorteil für den Konsumenten: Maßgeschneiderter Schutz für die individuelle Situation statt Einheitsprodukte. Aber kein Licht ohne Schatten. Denn andererseits wird gerade dadurch der Durchblick beim Angebots-Vergleich deutlich erschwert. Eine genaue Information geben alle Versicherer unverbindlich und kostenlos, für objektive Vergleiche und Beratung sucht man am besten einen unabhängigen Makler auf.

Welcher Schutz ist  wichtig?
Ist in der Rohbauversicherung keine Haftpflichtversicherung für den Haus- bzw. Grundbesitzer inkludiert, dann ist man gut beraten eine solche zusätzlich abzuschließen oder den Vertrag um diese Bauherren-Haftpflichtversicherung erweitern zu lassen. Damit sind Sachschäden, aber vor allem auch Personenschäden abgedeckt. Säumnisse können hier teuer zu stehen kommen.

So kann der Besitzer einer Liegenschaft unter Umständen auch für verschuldensunabhängige Schäden verantwortlich gemacht werden, wie etwa Risse durch Grabungsarbeiten am Nachbarhaus. Und auch, wenn trotz aller ordnungsmäßigen Sicherheitsbemühungen wie etwa Warnschilder, Personen oder Sachschäden eintreten, erweist sich die Haftpflicht-Versicherung häufig als wahrer Retter aus der drohenden finanziellen Not.

Versäumen darf der frischgebackene Hausbesitzer in der Hektik des Umzuges dann auch keinesfalls die rechtzeitige Ummeldung von der Rohbauversicherung auf die Eigenheimversicherung. Hier ergeben sich beträchtliche Wertunterschiede.

Tipp: Beim Abschluss eines Hauskaufvertrages gemeinsam mit dem Hausverkäufer auch versicherungsrechtliche Fragen ganz genau unter die Lupe nehmen. Wer haftet wofür und vor allem wie lange?

Schulden absichern
Meist neueren Baujahrs sind die zahlreichen Modelle, die das Risiko der Kreditrückzahlung für den Hausbau deutlich senken. Stirbt der Rückzahler, wird er länger arbeitsunfähig oder verliert seinen Job, so kann ein gutes Versicherungsmodell helfen, das Traumhaus nicht zu verlieren. Allerdings ist bei solchen Modellen eine sehr sorgfältige Information, vor allem über die Bedingungen, unter denen die Leistungen auch tatsächlich wirksam werden, das offene Durchleuchten der persönlichen Situation und eine Kosten-/Risikoeinschätzung unabdingbar.

Investition Haus
Ums Geld ging es auch beim zweiten Schwerpunkt der „market“-Umfrage: Erhoben wurde, wie viel Geld der durchschnittliche österreichische Hausbauer für Neubau oder Sanierung so locker macht: Im Schnitt wird 176.000,-- für den Hausbau bezahlt, Sanierer investieren etwa 32.000 Euro für die Modernisierung ihrer vier Wände. Insgesamt gilt: In Westösterreich wird mehr ausgegeben als in Ostösterreich.

84 Prozent der Häuslbauer und 87 Prozent der Sanierer bezahlen Bau bzw. Umbau mit Eigenmitteln, rund ein Drittel ausschließlich in dieser Form. Wohnbauförderung und Bausparverträge sind die beiden beliebtesten Zusatzvarianten zur Finanzierung aus Eigenmitteln beim Hausbau, saniert wird zusätzlich zu den Eigenmitteln mit Bausparverträgen oder herkömmlichen Krediten.

Im Rahmen der Umfrage wurden 1.000 Personen befragt, die zurzeit ein Haus bauen oder planen, das demnächst zu tun.



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