Sommertauglichkeit
Ein wirklich heißes Thema!
Nach derzeitiger Praxis gelten Räume dann als „sommertauglich“, wenn der errechnete Tagesverlauf der empfundenen Temperatur tagsüber 27 Grad Celsius und nachts 25 Grad nicht überschreitet. Werte, die darüber liegen, stellen für den menschlichen Körper eine enorme Belastung dar.
„Der jetzige Sommertauglichkeits-Nachweis von Gebäuden läuft leider letztendlich auf eine ja/nein-Entscheidung in Bezug auf die sommerliche Überwärmungsneigung eines Raumes hinaus und entspricht lediglich einer Grobschätzung. Er ist mit Sicherheit nicht geeignet, dem Bauplaner einen Anreiz zur Entwicklung besonders gut sommertauglicher Räume und Gebäude zu geben. Im schlimmsten Fall kann es durch diese ungenaue Berechnung zur Überhitzung der Räume kommen“, so Bau!Massiv!-Vorsitzender Othmar Kronthaler.
Stellt sich jetzt die Frage: Betrifft uns das wirklich (Motto: „Im Sommer ist es eben heiß“) und handelt es sich dabei letztlich nicht nur um eine bewusst-überspitzte Thematik der Interessensvertretung massiver Bauweisen (Ziegel, Beton etc.), die bekanntlich bei Hitze sehr viel besser abschneiden als andere?
Mit Sicherheit nicht, denn gerade im städtischen Bereich wird das „Überhitzungsproblem“ in den Wohnungen aufgrund der immer heißeren Tage zunehmend deutlicher. Und wer schon einmal gar in einer Dachwohnung den Sommer ohne Klimaanlage verbracht hat, braucht wirklich kein Techniker zu sein, um der Zielsetzung „bessere Sommertauglichkeit von Gebäuden“ erst einmal kräftig einen Applaus zu spenden.
Nicht noch mehr Energieverbrauch für Kühlung
Tatsache ist: Es wird heißer! Erst kürzlich zeichnete die Weltgesundheitsorganisation WHO ein dramatisches Zukunftsszenario für die Folgen des globalen Klimawandels: Wetterextreme und Hitzewellen sollen in den kommenden Jahren weltweit die Gesundheit von Millionen Menschen bedrohen. 35.000 Hitzetote – davon 130 in Österreich – im Rekordsommer 2003 seien dafür ein erstes Alarmsignal gewesen.
Anlass genug für die Bauplaner, diese möglichen Veränderungen in ihre Arbeit miteinzubeziehen.
Umweltexperten warnen zusätzlich vor einer anderen Gefahr gerade im Baubereich: Einerseits werden Heiz-Energiesparmodelle kräftig von der öffentlichen Hand gefördert, andererseits jedoch steigt die Zahl der eingesetzten Klimaanlagen im Sommer deutlich und damit auch kräftig der Stromverbrauch. Schon jetzt ist beim Energieverbrauch von Gebäuden eine Verlagerung von der Raumheizung hin zur Kühlung zu verzeichnen. Angesichts der allgemein – auch im Winter – steigenden Außentemperaturen rechnen Experten damit, dass sich dieser Trend noch verstärkt. Und es klingt in der Tat nicht sehr sinnvoll, auf der einen Seite – Heizung - einzusparen und es gleich auf der anderen Seite – Kühlung – auszugeben. Nicht zu vergessen ist dabei, dass Strom immer teurer wird und der regelmäßige und intensive Einsatz von Klimaanlagen die Budgets der privaten Haushalte zusätzlich belastet.
Masse trotzt Hitze
Durchgeführt wurde das Forschungsprojekt mit dem klingenden Namen „Bewertung der Sommertauglichkeit von Gebäuden“ von Univ.-Prof. DI Dr. Klaus Krec, Büro für Bauphysik. Aufgabe des vom „Verband Österreichischer Ziegelindustrie“ beauftragten Projektes war in erster Linie die Definition von möglichen Kriterien für die Einführung von Sommertauglichkeits-Güteklassen und das Feststellen einfacher und sofort wirksamer Maßnahmen, die zu einer Verbesserung des sommerlichen Raumverhaltens führen können.
Was die Maßnahmen betrifft, so kommt die Studie – angesichts der Auftraggeber - zu einem nicht unerwarteten Ergebnis, das aber doch auf technisch nicht widerlegbaren Fakten beruht: Masse trotzt Hitze. Je mehr speicherwirksame Masse vorhanden ist, desto geringer die Temperaturschwankungen.
Kronthaler: „Massive Bauteile wie gemauerte Wände, Betondecken oder Estriche erwärmen sich tagsüber nur langsam, reduzieren dadurch die Raumtemperatur und geben während der kühleren Nacht überschüssige Temperatur ab. Daher weisen massive Gebäude wie etwa Häuser aus Ziegel besonders gute Werte auf“, fasst Kronthaler zusammen.
Nicht vergessen sollte jedoch werden, dass nicht nur das Baumaterial, sondern auch die Dämmung eine ganz entscheidende Rolle spielt. Gut gedämmte Häuser halten die sommerliche Hitze vom Innenraum ab.
Mehr Sicherheit durch neue Güteklassen
Abgehen sollte man in Zukunft, so die Hauptforderung der Arge Bau!Massiv!, jedenfalls von der jetzt gehandhabten Sommertauglichkeitsprüfung. Anstelle der grob geschätzten ja/nein-Entscheidung soll es – so das Fazit der Studie – zukünftig durch eine neue Berechnungsmethode drei neue Güteklassen geben: sommertauglich, gut sommertauglich und sehr gut sommertauglich. Die Einführung dieser Güteklassen ist laut dem Büro für Bauphysik ohne nennenswerten Aufwand möglich.
Abseits aller technischen Diskussionen - eines steht fest: Für den Konsumenten würde eine solche neue Güteklassen-Regelung, die ihm genauen Aufschluss über das Sommerverhalten der Wohnung oder des Hauses und damit auch über die eventuell zusätzlich anfallenden Kosten für Klimatisierung gibt, jedenfalls Sinn machen.







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