31.01.2007 22:41 |

Ein Jahr bedingt

Baby nach der Geburt an die Wand geschleudert

Das kleine Mädchen wog bei seiner Geburt 2,8 Kilo. Und es war, wies im Fachjargon heißt, eindeutig lebensfähig. Doch mehr als ein paar Momente Leben waren dem Baby nicht vergönnt. Seine Mutter, ein 18-jähriges Mädchen aus dem Burgenland, hat es an den Beinchen genommen und an die Wand geschleudert. Wegen der für sie unerwarteten Geburt hatte in einem Ausnahmezustand befunden, sie wurde zu einem Jahr bedingt verurteilt.

Das Mädchen wurde ungewollt schwanger. "Ich konnte mich niemandem anvertrauen. Nicht den Eltern und nicht meinem Freund", sagt sie. Die Folge: Sie hat diese Schwangerschaft neun Monate lang verdrängt. Das ist möglich, sagen internationale Fachleute.

Sie hat nur wenig zugenommen. Und als die Wehen einsetzten, war sie allein zu Hause und tatsächlich überrascht. "Ich hab immer unbewusst gedacht, wenn ich das Kind nicht will, löst es sich in Luft auf." In ihrem Kinderzimmer gebar sie am 28. Mai des Vorjahres ihr Mädchen, verlor die Hälfte ihres Blutes, war also, auch aus medizinischer Sicht, nicht Herr ihrer Sinne.

Vater der 18-Jährigen hilflos
Unmittelbar, nachdem sie selbst instinktiv die Nabelschnur durchtrennt hatte, hat sie ihre Tochter getötet. Claudia kommt aus gutem Hause. War Vorzeigeschülerin. Bis die Pubertät spät, aber mit aller Gewalt zuschlug. "Sie war für uns nicht mehr greifbar", sagt der Vater vor Gericht. Sonst, ist er sicher, hätte sie gewusst, dass sie auch mit einem Baby willkommen ist. Sonst hätte sie auch gewusst, dass ihr Freund sie trotz aller Schwierigkeiten nicht verlassen hätte.

"Ich würde alles so gerne rückgängig machen"
Gutachter beschreiben sie zum damaligen Zeitpunkt als verschlossen, unsicher und als "Zornpinkerl". "Heute weiß ich, dass ich alles falsch gemacht hab. Ich hab durch meine Therapie so viel gelernt", sagt sie, mittlerweile zur jungen Frau gereift. Der Freund: "Wir führen heute eine Bilderbuchbeziehung." Die Eltern: "Sie ist heute die Tochter, die sich jeder wünscht." Sie selbst: "Ich würde alles so gerne rückgängig machen." Was, das erfährt sie in Details erst von den Gutachtern.

Sie kann sich kaum erinnern - Teil des Phänomens der Tötung bei der Geburt. Auch, dass ihre Eltern sie mehr tot als lebendig fanden, sie liebevoll ins Spital brachten, hat sie vergessen. Nachdem dem Vater eine Ärztin geraten hatte, zu Hause im Zimmer des Mädchens nachzuschauen, habe man das Baby tot unter einem Polster gefunden, "ein extremer Schock".

Dienstag, 11. Mai 2021
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