Di, 21. August 2018

Rettung

17.01.2018 15:23

Ein Urlauber überlebte Schneesturm am Berg

Es ist schier unfassbar: Ein deutscher Urlauber , der am Wildkogel in Bramberg beim Rodeln verunglückt war, überlebte eine eisige Nacht mit Schneesturm mitten am Berg. Helfer hatten am Dienstag bis Mitternacht verzweifelt nach ihm gesucht. Mittwoch früh konnte der Mann von Vierbeiner "Duke" aufgestöbert werden.

Der Deutsche (51) war am Dienstag gegen Mittag mit seiner Frau zu einer Rodelpartie aufgebrochen. Die Gattin wartete in Talnähe in der "Zwischenzeit"-Hütte auf ihn, während er mit der Smaragd-Bahn bis zur Bergstation fuhr und von dort mit der Rodel ins Tal startete. Im unteren Drittel kam er aber im Schneetreiben von der Strecke ab. Er schlitterte über mehrere Hügel und blieb 50 Meter unter der Rodelbahn reglos liegen.

Die Frau des Urlaubers wartete bis 18 Uhr auf ihn. Da sie fürchten musste, dass dem Mann etwas passiert ist, rief sie schließlich Hilfe. "Die Rodelstrecke ist 14 Kilometer lang. Wir haben uns mit den Bergbahnen zusammen gesprochen. Die haben für uns den Lift wieder eingeschaltet", schildert Bergrettungs-Einsatzleiter Gerfried Walser. 20 Mann, darunter zwei Hundeführer mit ihren Vierbeinern sowie drei Alpinpolizisten, fuhren zur Bergstation. "Wir sind die Rodelstrecke in kleineren Gruppen aufgeteilt drei bis viermal abgegangen. Der Sturm wurde immer ärger, deswegen mussten wir die Suche um Mitternacht abbrechen."

Bei Tagesanbruch ging es wieder los. Diesmal unterstützten Bergretter aus Neukirchen die Kameraden. Einem Hundeführer gelang es nach kurzer Suche, den Vermissten ausfindig zu machen. Sein Vierbeiner "Duke" hatte den richtigen Riecher gehabt. Er zeigte zwar keinen Fund an, sprang aber immer wieder an die selbe Stelle. Der Deutsche war zwar völlig unterkühlt, aber ansprechbar. Er wurde ins Spital nach Zell gefahren. Ein Hubschrauberflug waren wegen der Sturmböen nicht möglich.

Manuela Kappes, Kronen Zeitung

Interview: Dr. Joachim Schiefer - Landes-Arzt Joachim Schiefer von der Bergrettung erklärt, wie man sich über Nacht am Berg am besten verhält. Wichtig ist Bewegung.

Ab welcher Temperatur wird es am Berg gefährlich?
Das hängt davon ab, wie fit die Person ist. Definitiv gefährlich wird es unter 0 Grad.
Wie verhält man sich in solch einer Situation?
Eine Schutzausrüstung sollte jeder Alpinist mit haben, sprich eine passende Bekleidung, Handy und Rettungsdecken. Wenn das Handy nicht funktioniert mit Licht ein Warnsignal abgeben oder in der Umgebung Unterschlupf suchen. Solange man in Bewegung bleibt und zittert, kann sich der Körper warm halten.
Wie lange schaffen es körperlich Fitte bei Temperaturen von -10 Grad?
Sechs bis sieben Stunden. Ein top trainierter Alpinist überlebte am Dachstein drei Tage.
Was passiert, wenn die Unterkühlung einsetzt?
Der Mensch verfällt in eine geistige Dämmerfunktion, die Puls- und Atemfrequenz sinkt und irgendwann ist es vorbei.

Sandra Aigner, Kronen Zeitung

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