10.12.2017 08:43 |

Abschied ohne Wehmut

Brandstetter: "Mir wird nichts abgehen"

Wolfgang Brandstetter (ÖVP) wirkt entspannt auf der gelben Ledercouch im Vorzimmer zu seinem Büro. Vizekanzler, Justizminister - in wenigen Tagen ist alles vorbei. Im "Krone"-Interview lässt er die Zeit Revue passieren und verrät, was er seiner Frau noch "beichten" muss ...

"Krone": Herr Vizekanzler, Sie werden der nächsten Regierung nicht mehr angehören. Haben Sie diese Entscheidung selbst getroffen oder wurde sie Ihnen abgenommen?
Wolfgang Brandstetter: Ich habe diese Entscheidung schon vor längerer Zeit getroffen. Im Einvernehmen mit allen, die davon betroffen sind. So gesehen ist da gar nichts mit negativen Gefühlen verbunden. Ich bin sehr gerne in diese Regierung hineingegangen - gehe jetzt auch gerne wieder raus. Es ist für mich jetzt auch die letzte Gelegenheit, an die Universität zurückzukehren.

Sie haben eine Kanzlei. Arbeiten Sie als Anwalt weiter? Wie früher?
Als Strafverteidiger in Gerichtssälen werden Sie mich nicht mehr sehen.

Lassen wir Ihre Amtsperiode Revue passieren. Wo haben Sie etwas weitergebracht?
Wir haben in Anbetracht der kurzen Zeit (de facto hat diese Legislaturperiode bereits vor mehr als einem Jahr geendet) viel geschafft. Die Reform der Sachwalterschaft, die Erbrechtsreform. Und die Änderung der Prämissen im Strafrecht. Wir haben schon ein klares Signal gesetzt - mit deutlich höheren Strafdrohungen für Gewaltdelikte in Relation zu reinen Vermögensdelikten.

Stichwort #metoo …
Wir waren sehr früh dran mit der Kriminalisierung der sexuellen Belästigung und hatten viel Widerstand. Mittlerweile ist klar, wir haben das Richtige zur richtigen Zeit getan. Das sind Dinge, die meine Amtszeit überdauern werden.

Was würden Sie ihrem Nachfolger ans Herz legen, sofort zu tun?
Begonnene Reformprozesse, vor allem im Strafvollzug, müssen konsequent fortgesetzt werden. Deradikalisierungsmaßnahmen sind wichtig - denn die Gefahr der Radikalisierung in den Haftanstalten ist gegeben, hier müssen wir gegensteuern und die Erfahrungen auf internationaler Ebene nutzen.

Haben Sie den Vizekanzlerposten Sebastian Kurz zuliebe übernommen?
Ja, ich bin von ihm gebeten worden, wir haben gemeinsam überlegt. Alle haben damals gesagt, das musst du machen, du hast noch am wenigsten gestritten. Wenn man parteipolitisch unabhängig ist, kann man leichter Brücken bauen zum Koalitionspartner. Mir war von Anfang an klar: Ich bin ein Vizekanzler mit Ablaufdatum …

Was werden Sie am meisten vermissen?
Da muss ich jetzt nachdenken. Das, was so attraktiv an so einer Funktion empfunden wird, geht mir eigentlich nicht ab. Ich war nie macht- oder prestigegeil. Ich brauche keinen Dienstwagen. Ich fahre lieber mit der Bahn. Was mir abgeht: Freundschaften. Aber ich bin ja nicht aus der Welt.

Gibt es noch einen Traum, den Sie sich erfüllen wollen?
Ja, den muss ich aber meiner Frau erst beibringen: Ich hätte wieder gerne einen Hund - sonst bin ich wunschlos glücklich.

Interview: Sandra Ramsauer und Oliver Papacek, Kronen Zeitung

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