Do, 16. August 2018

Betriebe kämpfen

24.11.2017 20:42

Lehrlinge: Mehr Geld ist nicht alles

Auf der einen Seite Unternehmen, die händeringend nach Lehrlingen suchen. Auf der anderen Seite Jugendliche, die nicht ordentlich lesen und schreiben können, Kaugummi kauend vor dem zukünftigen Chef sitzen. Da passt was nicht. Alexander Mitter von "akzente" Salzburg hat Antworten - zumindest ein paar.

Die gute Nachricht zuerst: Viele Jugendliche sind fleißig, zielstrebig. Sie werden am Arbeitsmarkt mit Handkuss genommen, haben praktisch Jobgarantie. Doch es ist nicht zu leugnen, dass die Chefinnen und Chefs bei der Suche nach guten Lehrlingen verzweifeln. Das liegt auch, aber nicht nur, an der Bezahlung. Beispiel Maurer: Dort wurde der Lohn für die Lehrlinge spürbar angehoben, jetzt gehen die Zahlen der Einsteiger nach oben.

Chefs und Jugendliche leben in anderen Welten
Doch am Geld liegt es nicht allein, dass Betriebe und Fachkräfte der Zukunft selten den gleichen Nenner finden. Alexander Mitter von "akzente" Salzburg hat mit Jugendlichen tagtäglich zu tun und sagt: "Es stimmt, dass es unter anderem Defizite beim Benehmen und so weiter gibt, das liegt auch teilweise an den Veränderungen in der Familienstruktur. Es ist auch ein Stück weit die jugendliche Lebenswelt und man darf nicht vergessen: Die Ansprüche an sie sind heute anders als vor 30 Jahren", so Mitter und fügt hinzu: "Früher haben die Lehrlinge zuerst die Werkstatt ausgekehrt, durften nach und nach andere Aufgaben übernehmen. Heute ist das Niveau von Lehrberufen höher, die Ansprüche diffizil."

Dass die Schulen in ihrer Aufgabe, die jungen Salzburger auf das Berufsleben vorzubereiten auch ein gewisses Defizit haben, räumt Mitter ein: "Da muss sich das System Schule schon fragen, ob die Allgemeinbildung, das Basiswissen heute noch so vermittelt wird, wie es sollte. Aber noch einmal: Ich glaube nicht, dass sich das Niveau der Schüler stark verändert hat, sondern eher die Ansprüche an sie gestiegen sind." Auch dass die Lehrherren teils zu Ersatzeltern werden, ist bekannt. Das kommt den Mitarbeitern von "akzente" auch in Beratungsgesprächen oft unter. "Ich selbst habe vor kurzem mit einem Unternehmer gesprochen. Da hatte ein Lehrling zu Hause Schwierigkeiten, der Chef wird dann zum Erzieher, das ist nicht leicht." Dass die Lehrlingszahlen und -plätze in Salzburg steigen, ist ein gutes Zeichen. Damit die Betriebe aber nicht nur irgendwelche, sondern engagierte Jugendliche bekommen und wir nicht in einer Facharbeiterwüste landen, dafür sieht Mitter nur eine Lösung: "Wirtschaft, Schulen und Eltern, das muss alles zusammen spielen."

Melanie Hutter, Kronen Zeitung

Zitat - Die "Krone" traf Alexander Mitter im Rahmen der BIM

Den Chefs wäre eine gleich voll ausgebildete Kraft am liebsten. Das Niveau der Jugend ist nicht gesunken. Die Ansprüche an sie sind gestiegen.

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