Mo, 18. Juni 2018

Darwin's Circle

28.09.2017 11:23

Kern und IT-Magnat Karp wagen Blick in die Zukunft

Am Donnerstag hat sich im Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz das Who-is-Who aus Politik, Wirtschaft und IT-Szene zur Digitalisierungskonferenz Darwin’s Circle getroffen. Hochrangige Redner vom Bundeskanzler über Lenker internationaler IT-Konzerne bis hin zu Robo-Auto-Forschern haben bei der Veranstaltung gesprochen. Ein Highlight: Die Diskussion zwischen Bundeskanzler Christian Kern und Palantir-Boss Alexander Karp über Ethik in der IT.

Bei seiner Eröffnungsrede erklärte Industriellenvereinigungspräsident Georg Kapsch, was die Digitalisierungskonferenz mit dem Entdecker der Evolutionstheorie, Charles Darwin, verbinde: "Es gibt keine digitale Revolution, es ist eigentlich eine Evolution, die seit 50 Jahren andauert." Nun sei man aber dabei, die nächste Stufe dieser Evolution zu erklimmen - und dazu will Darwin’s Circle mit seinem vielfältigen Programm einen Beitrag leisten.

Kanzler lobt Start-ups, will keine Digitalisierungsverlierer
Die Eröffnungsrede der Konferenz hielt Bundeskanzler Christian Kern. Er hob dabei die Bedeutung von Start-ups hervor. "40 Prozent der Jobs, die zuletzt neu entstanden sind, kommen aus Neugründungen, viele davon sind Start-ups", sagt der Kanzler. Es sei eine Illusion, man könne die Digitalisierung bremsen. Vielmehr solle man sie erfolgreich gestalten, indem man einen neuen politischen und gesellschaftlichen Zugang zu dem Thema finde.

Österreich müsse dabei mit Innovation punkten. "Unsere Strategie kann nur sein, dass wir besser sind als andere", sagt Kern. Dabei gelte es, zu verhindern, dass die Gesellschaft sich in Gewinner und Verlierer der Digitalisierung spalte. Kern fordert einen Schulterschluss zwischen Markt und Bürgern. "Die Aufgabe der Politik ist es, die Richtung zu bestimmen und dafür zu sorgen, dass insbesondere in der Grundlagenforschung Risiken genommen werden", sagt Kern. Diese Vision habe er als Kanzler in den letzten Jahren massiv verfolgt, so Kern.

Infrastruktur und soziale Gerechtigkeit
Gefordert seien nun Investitionen in die Infrastruktur: "Wir haben uns das Ziel gesetzt, ganz Österreich mit schnellem Breitbandinternet mit 100 Megabit pro Sekunde zu versorgen", sagt Kern. Dabei spiele auch der neue Mobilfunkstandard 5G eine Rolle, für den man jüngst in Kärnten die erste Testregion in Österreich ausgerufen habe. Dort finden österreichische Forscher die Infrastruktur vor, um selbstfahrende Autos, autonome Drohnen und andere neue Technologien zu testen.

Die Roboter-Revolution führe laut Kern zu einer neuen Frage: "Wie werden wir in Zukunft mit dem Thema Arbeit umgehen?" Man habe zwar die Weichen gestellt, um in den nächsten zwei bis drei Jahren erfolgreich zu sein. Doch er wisse auch, dass in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren neue Herausforderungen auf die Politik zukommen. "Die Entwicklung ist nicht aufhaltbar. Aber wir sollten nicht naiv sein, wenn es um die Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen geht."

Ethik in der IT: Kern diskutierte mit Alexander Karp
Einer der Stars auf der Konferenz: Alexander Karp, Chef der US-amerikanischen Big-Data-Firma Palantir. Sie ist durch ihre Zusammenarbeit mit US-Geheimdiensten bekannt und nutzt die Auswertung riesiger Datenmengen unter anderem für die Terror-Frühwarnung. Dabei respektiere man durchaus die Privatsphäre der Bürger, so Karp.

Von Moderator Nikolaus Pelinka darauf angesprochen, wieso er eher selten Interviews gebe, antwortete der geheimnisvolle Silicon-Valley-Gigant mit einem Augenzwinkern: "Das ist nicht so mein Ding. Und das Geschäft läuft so auch gut."

Droht Umverteilung von unten nach oben?
Mit Kern sprach Karp über die Gefahren der Digitalisierung - etwa eine potenzielle Umverteilung von unten nach oben. Karp räumte dabei ein, dass eine unkontrollierte, ungesteuerte Digitalisierung in der Tat Gefahren berge. Die erste Etappe der Digitalisierung habe Europa aus der Sicht Karps eher benachteiligt. Nun gehe es aber darum, die europäische Industrie zu digitalisieren und die Verschmelzung von Digital- und Realwirtschaft anzustreben. Dabei habe Europa gute Karten. Karp: "Ich kenne kaum ein Land, in dem die Menschen so gebildet und fleißig sind wie in Österreich."

Kerns Befürchtung, die Digitalisierung produziere potenziell Verlierer, teilt Karp. Die Digitalisierung biete zwar enorme Chancen. "Aber was habe ich davon, wenn ich keine Kohle habe?", fragt Karp.

Kern fordert Investition in Forschung und Entwicklung
Der Bundeskanzler plädiert dafür, die Chancen zu nutzen und als Staat zu investieren - etwa in Forschung und Entwicklung. "Wir werden in Österreich kein neues Google oder Facebook produzieren. Aber unsere Industrie hat 20 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt", sagt Kern. Hier müsse man ansetzen und man dürfe die Entwicklung in Österreich auch nicht schlechtreden. Samsung habe immerhin erst kürzlich im großen Stil in Technologie für selbstfahrende Autos aus Österreich investiert.

Am Ende sei die Digitalisierung aber auch eine Frage der Solidarität. "Es gibt Länder, die ein Geschäftsmodell daraus entwickelt haben, Steuern zu vermeiden", sagt Kern. Das sabotiere die europäischen Bemühungen, aus der Digitalisierung Kapital zu schlagen.

Bürgerrechte versus Sicherheit
Bei ihrer Diskussion wandten sich Kern und Karp auch dem Thema Überwachung zu. Für Karp sei dabei klar, dass am Ende das Primat des Staates gelte. Nicht Firmen wie Palantir seien dafür zuständig, über die Überwachung der Bürger zu entscheiden, sondern die Staaten. Und diese seien gefordert, mit Augenmaß vorzugehen, mahnt Kern.

Dabei stehe die Sicherheit der Bevölkerung an oberster Stelle, "es ist aber keine Schwarz-Weiß-Entscheidung", sagt Kern. Vielmehr sei die Frage der Überwachung zum Schutze der Bevölkerung stets mit den Grundrechen abzugleichen. Ein Bereich, in dem die alte Welt laut Karp anders ticke als die neue. "In Europa musst du zuerst beweisen, was du kannst, bevor die Gelder freigegeben werden. In den USA werden die Gelder freigegeben, bevor du dich beweisen musst", scherzt er.

Den Live-Stream zur Konferenz sehen Sie hier:

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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