So, 24. Juni 2018

Detektiv verrät:

27.07.2017 06:05

"Stammkunden schlagen häufig als Ladendiebe zu"

Ladendiebe lassen pro Jahr Waren im Wert von 500 bis 800 Millionen Euro mitgehen - und richten damit einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden an. Kurioserweise sind es häufig die Stammkunden, die sich einen "Fünf-Finger-Rabatt" gewähren. Warum das so ist, weiß Berufsdetektiv Markus Schwaiger - er verriet krone.at auch seine skurrilsten Fälle aus seinem Berufsalltag.

Eigentlich könnte man meinen, dass Langfinger ihre Lieblingsgeschäfte verschonen, weil man annimmt, dass sie diese auch zukünftig besuchen wollen. Doch das Gegenteil ist der Fall - sehr viele Ladendiebe sind Stammkunden. "Es ist eine Entwicklung, die wir im letzten Jahr vermehrt wahrgenommen haben. Viele Täter, die wir auf frischer Tat ertappen, kennen das Geschäft und, vor allem im ländlichen Raum, auch das Verkaufspersonal sehr gut", weiß Berufsdetektiv Schwaiger, der die Wiener Detektiv-Akademie Eurodet leitet. Für dieses kuriose Phänomen hat er auch eine Erklärung: "An vertrauten Orten sinkt die Hemmschwelle, und das ist offenkundig auch beim Ladendiebstahl der Fall."

In der Hitparade des beliebtesten Diebesguts stehen Elektronikartikel an erster Stelle: Besonders Mobiltelefone sind bei Ladendieben heiß begehrt. Danach folgen Markenkleidung, Parfums sowie Alkohol und Kondome. "Was erschreckend ist: Die Täter werden immer jünger", weiß Schwaiger.

Die Detektiv-Einsätze in Kaufhäusern florieren, vor allem "wenn man sieht, was den Einzelhandelsfirmen bei der Inventur fehlt", sagt Schwaiger. "Die Täter kommen quer aus allen Alters- und sozialen Schichten, 40 Prozent davon sind Frauen. Es kommt oft vor, dass Ladendiebe sich selbst einen Naturalrabatt geben. Sie kaufen beispielsweise Waren im Wert von 200 Euro ein und lassen dann etwas im Wert von fünf Euro mitgehen. Ein Klassiker sind Batterien", so Schwaiger.

Skurrile Fälle: Truthahn-Diebstahl führte zu Ohnmacht
Auch kuriose Fälle erleben Kaufhausdetektive in ihrem Alltag. So musste Schwaiger wegen des Diebstahls von ein paar Basilikumblättern die Polizei rufen. Normalerweise spricht ein Detektiv nur eine Verwarnung aus, wenn man in einem Supermarkt ein paar Blätter ausrupft und einsteckt. Doch die Diebin und ihr Ehemann zeigten sich uneinsichtig und veranstalteten so einen Aufruhr, dass schließlich die Exekutive zu Hilfe kommen musste.

Bei einem weiteren Fall wurde eine Ladendiebin bewusstlos - aber nicht aus Angst , erwischt zu werden, sondern weil das Diebesgut einfach zu schwer wurde. Die Pensionisten band sich einen tiefgekühlten Truthahn mit einer Schnur an ihrem Gürtel fest und versteckte ihn unter ihrem Rock. Doch in der Warteschlange bei der Kassa wurde ihr das Gewicht der Beute zum Verhängnis: Sie fiel in Ohnmacht und ihr Coup flog damit auf.

Was Langfinger abschreckt
Die Präsenz von gut sichtbaren, uniformierten Sicherheitskräften halten viele Ladendiebe von vornherein von ihrem Vorhaben ab. Noch besser funktioniert das, wenn die Sicherheitskräfte in einem erhöhten Podest im Geschäft positioniert werden. Eine Parfümerie stellte für diesen Zweck beispielsweise Stühle, wie wir sie von Tennisschiedsrichtern kennen, im Geschäft auf. Auch Videokameras, die besonders dunkle Ecken überwachen, sind effizient. Denn hier wird oft die Ware aus der Verpackung genommen und versteckt. Schwaiger hat noch einen Tipp für leiderprobte Geschäftsinhaber: "Ein wichtiger Punkt, auch wenn Sie mit Kaufhausdetektiven und Bewachern zusammenarbeiten: Schulen Sie Ihr Verkaufspersonal!"

Krisensicherer Job: Kaufhausdetektiv in fünf Wochen
Um den Schaden aufgrund Ladendiebstahls zu minimieren, greifen immer mehr Geschäfte auf Kaufhausdetektive zurück. Bei Eurodet kann man sich in fünf Wochen für diesen krisensicheren Job ausbilden lassen. 50 Nachwuchsdetektive werden hier jährlich unterrichtet.

Miriam Krammer
Miriam Krammer

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