So, 19. August 2018

"Krone"-Interview

22.07.2017 08:29

Wird das Wiener Gesundheitswesen kaputtgespart?

Eine große Kündigungswelle hat Wiens Sanitäter erfasst - der Arbeiter-Samariter-Bund hat bereits 100 Mitarbeiter abgebaut, das Rote Kreuz verliert 35 Kollegen. Dazu Gangbetten, Krankenhaus Nord und viele andere Pleiten. Wir haben Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger von der SPÖ zu den Themen befragt.

"Krone":Das Rote Kreuz wirft jeden dritten Sanitäter hinaus, der Arbeiter-Samariter-Bund verlor seit 2014 rund 100 Mitarbeiter, Kollegen der Berufsrettung wiederum klagen über Personalmangel. Klingt so, als könnte die Versorgung bald zusammenbrechen.
Sandra Frauenberger: Wir müssen Reformen im Bereich des Rettungs- und Krankentransportwesens organisieren. Meine Aufgabe ist es, alle Rettungsorganisationen an einen Tisch zu bringen und dafür zu sorgen, dass die hohe Qualität der Notversorgung sichergestellt ist. Und das tue ich. Aber ja, es stimmt, die diversen Organisationen haben aufgrund der Reformen ihre Leistungen massiv zurückschrauben müssen. Es gibt einen medizinischen Fortschritt und bessere Operationsmethoden, das verbessert den Zustand der Patienten. Die brauchen bei der Entlassung andere Transportformen als vielleicht noch vor fünf Jahren. Das wissen aber auch die Organisationen. Die Konsequenz ist die, die jetzt beim Roten Kreuz getroffen worden ist. Deswegen gibt es auch den gemeinsamen runden Tisch.

Die Kasse spart bei den Rettungsorganisationen, die wiederum bei den Sanitätern. Fehlen die Mitarbeiter und Fahrzeuge dann nicht im großen Rettungsverbund?
Das ist derzeit nicht der Fall, denn das eine ist das Transportwesen und das andere das Rettungswesen. Das Rote Kreuz reduziert ja bei den Transporten. Aber ich verstehe die Problematik. Deswegen ist beim runden Tisch auch die Gewerkschaft mit dabei. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.

Wir haben da die Krankentransportfahrer, die einen sechsstündigen Erste-Hilfe-Kurs hinter sich haben, und dort Profi-Sanitäter mit 160 Stunden Theorie und 300 Stunden Praxis. Nach Ihrer Logik darf mich also nach jeder Operation ein etwas besser ausgebildeter Taxifahrer nach Hause bringen?
Nein, das bedeutet das nicht. Das Taxi kann Sie vielleicht nach Hause bringen, wenn Sie wegen einer Schürfwunde in der Ambulanz waren. Aber es gibt einen Unterschied zwischen dem, was Sie sich selbst bestellen, und dem, was im Krankenhaus für Sie an Krankentransport bestellt wird. Wenn der Patient nicht alleine nach Hause gehen kann, dann muss man sich die Indikation ansehen. Ist es eine Chemotherapie gewesen mit einem Patienten, dem oft schlecht wird, dann brauche ich das volle Service eines Krankentransportes. Habe ich aber etwa eine Person, die nach einem harmlosen Spitalsaufenthalt entlassen wird, dann wird sie eine ganz andere Betreuung beim Transport brauchen.

Gangbetten,Krankenhaus Nord, Rettungs-Misere - viele Wiener haben den Eindruck, dass das Gesundheitswesen kaputtgespart wird. Ist das der Fall?
Nein! Da wird nichts kaputtgespart, aber es gibt eben Reformen. Ich habe diese Woche erst ein Reha-Zentrum eröffnet, wir stellen die Augenbehandlungen neu auf, wir bauen gerade das Krankenhaus Nord, wir investieren auch in das Notarztwesen. Wir haben im Jahr 2016 alleine 421 Millionen Euro in neue Projekte investiert. Aber eines muss man schon sagen: Die Medikamenten- und die Personalkosten steigen.

Auf der einen Seite gibt Wien Millionen für externe Spitäler-Berater aus, auf der anderen Seite werden Sanitäter gekündigt. Wie passt das zusammen?
Dass fürs Rettungswesen kein Geld vorhanden ist, ist nicht wahr. Diese beiden Themen korrespondieren nicht miteinander. Wir sparen wegen Beratern nicht im Rettungswesen. Wir investieren!

Michael Pommer, Kronen Zeitung

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