Do, 19. Juli 2018

In Oberzeiring:

15.07.2017 15:18

Ein Stollen führt tief ins Mittelalter

Das Silberbergwerk in Oberzeiring ist ein europaweit einzigartiger Schatz: 1267 erstmals urkundlich erwähnt, ist es heute noch im Originalzustand erhalten. Das 750-Jahr-Jubiläum feiert man mit einem neu gestalteten Museum, einem historischen Prachtband und einem großen Fest von 21. bis 23. Juli.

"Es ranken sich seit Jahrhunderten Legenden um unser Bergwerk", erzählt Stefan Karner vom Verein Historisches Zeiring. Doch in Oberzeiring wollte man endlich Fakten auf dem Tisch haben. Also gaben die Gemeinde und lokale Vereine Forschungen zur Geschichte in Auftrag. Ein Resultat dieser Studien ist, dass man ein Jubiläum feiern darf: 1267 wurde der "Berg Zeiring" erstmals urkundlich erwähnt - also vor genau 750 Jahren.

Aufchwung der Steiermark im Mittelalter
"Der Bergbau in Oberzeiring war ein Grund für den Aufschwung der Steiermark im Mittelalter", erklärt Karner. Das abgebaute Silber wurde zu Münzen verarbeitet, die sich damals als Zahlungsmittel durchsetzten. Der Ort florierte. Ungewöhnlich für die Zeit: "Die Oberzeiringer Bürger waren keine Leibeigenen, sondern verwalteten sich und ihr Bergwerk selbst", so Karner.

Das Ende der Blütezeit
Doch die Blütezeit dauerte nur knapp 150 Jahre. Mit dem Tod von 1400 Knappen, die der Sage nach bei einem Wassereinbruch 1361 gestorben sein sollen, hat das wenig zu tun: "Diese Legende haben Unternehmer auf der Jagd nach Investoren erfunden", so Karner. Viel mehr machten der hohe Personalaufwand und das Zurückgehen der Silbervorkommen den Bergbau in Oberzeiring unrentabel.

Historische Funde
Spannend sind auch weitere historische Erkenntnisse: "Im Stollen wurde ein Hundeskelett gefunden, das jetzt genau datiert werden konnte und beweist, dass im Bergbau auch Hunde zum Einsatz kamen", so Karner. Bei Experten gilt der Zeiringer Hund als Sensation. Ebenso ein Siegel, auf dem die älteste Darstellung eines Bergknappen in ganz Europa zu finden ist.

Alles wie im Mittelalter
Nach dem Mittelalter wurde zwar weiter Bergbau betrieben, aber nur in kleinem Rahmen: "Aus historischer Sicht ist das ein Glück, weil dadurch Arbeitsstätten genau so erhalten wurden, wie sie die Knappen vor 600 Jahren verlassen haben."

Große Jubiläumsfeier
All das wird Besuchern im neu gestalteten Museum mit Schaubergwerk vermittelt. Unter dem Titel "Knappen, Krisen, Kapital" ist zudem ein Buch von Mittelalter-Experte Hiram Kümper erschienen. Präsentiert wird beides am 21. Juli. Tags darauf findet ein prunkvolles Mittelalterfest statt und am 23. Juli steigt als Höhepunkt der Jubiläums-Feierlichkeiten die große Österreichische Bergparade. Alle Infos hier

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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