Di, 20. November 2018

Unfassbare Martyrien

09.07.2017 13:46

Innsbruck: Illegale Prostituierte als Sexsklaven

Nach Tirol gelockt, zum Sex gezwungen, brutal misshandelt, ausgebeutet: Es sind unfassbare Martyrien, die viele Prostituierte in Innsbruck durchleben müssen. Das miese Geschäft mit den Sexsklaven scheint hierzulande nach wie vor lukrativ zu sein. Wird eine kriminelle Zuhälter-Bande gesprengt, steht quasi schon die nächste bereit. Und für die Polizei geht der Kampf weiter!

"Sie gelangen regelrecht in eine psychische Abhängigkeit. Sie wissen sich nicht mehr zu helfen, sind oft der Sprache nicht mächtig und müssen alle ihre Dokumente abgeben" - Christoph Hundertpfund vom LKA Tirol weiß, wie es vielen illegalen Prostituierten in Innsbruck ergeht. Die fiesen Maschen der skrupellosen Menschenhändler sind oft dieselben.

Unter Vorspiegelung völlig falscher Versprechen locken sie Frauen - meist aus osteuropäischen Ländern - mit der Aussicht auf ein besseres Leben nach Tirol. Hier angekommen, schlägt die Realität dann knallhart zu.

Gesamter Schandlohn muss abgeliefert werden

Erst diese Woche wurde - wie berichtet - die Sprengung eines bulgarisch-türkischen Zuhälter-Rings bekannt. Eine junge Bulgarin hatte die Polizei auf die Spur der Bande gebracht. Der 23-Jährigen wurde von den Kriminellen weisgemacht, dass sie in Tirol als Kellnerin arbeiten könne und sich hier gutes Geld verdienen ließe. Tatsächlich wurde die Frau auf den Strich geschickt. Den gesamten Schandlohn - Tausende Euro - musste sie an ihre Peiniger abgeben. Erst nach drei Monaten konnte sich die Bulgarin aus den Fängen des Menschenhändlerrings befreien und folglich Anzeige erstatten.

Von der Liebesbeziehung bis hin zum Eigenheim

Kein Einzelfall! Immer wieder werden in Innsbruck Zuhälter-Banden zerschlagen. 2015 etwa gelang dies der Polizei gleich zweimal. In einem Fall wurden sechs Rumänen festgenommen. Diese sollen zumindest zehn bis 15 Frauen nach Tirol gelockt haben. Und auch hier waren Lügen im Spiel. Liebesbeziehungen, Familien-Gründungen, ja sogar der Bau von Eigenheimen wurden in Aussicht gestellt.

Der Bedarf an Prostituierten scheint gegeben, das Geschäft lukrativ zu sein. Und so sind auch schon gewiss die nächsten Zuhälter im Anmarsch…

Hubert Rauth, Kronen Zeitung

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