16.05.2017 07:17

Köpfe hinterm Obmann

Das Salzburger Netzwerk rund um Sebastian Kurz

Die Bildsprache war nicht zu übersehen und natürlich - wie es sich für die Inszenierung von Sebastian Kurz auch gehört - gewollt. Der Salzburger Landeschef Wilfried Haslauer begleitete den designierten ÖVP-Obmann am Sonntag in die Politische Akademie, der neue, radikal umgekrempelte Kurs von Sebastian Kurz stand fest.

Haslauer trug alles mit, verhandelte im Hintergrund, brachte die Landeshauptleute noch auf Linie: "Was notwendig ist, das ist in der ÖVP drinnen - und für das, was noch notwendig ist, wird mit dieser Entscheidung die Tür aufgemacht. Es ist gut, dass Kurz jetzt über soviel Handlungsspielraum verfügt. Wir müssen die Partei einerseits öffnen, andererseits aber auch effizienter in der Führung gestalten. Und dazu ist es notwendig, dass wir alle uns bei Bedarf etwas zurücknehmen und uns unter ein gemeinsames Ziel stellen", so der Landeshauptmann. Für Salzburg bedeutet das jedenfalls einiges an Änderungen. Zur Landtagswahl im Frühling 2018 wird der Name der Partei abgeändert und nach Kurz-Manier auf Haslauer zugespitzt: "Liste Wilfried Haslauer - die neue (Salzburger) Volkspartei" wird dann auf den Plakaten und auf den Wahlzetteln stehen - darüber haben sich die Parteimanager schon geeinigt. Bei der Listenerstellung wird Sebastian Kurz - wie von ihm in den neuen Statuten verlangt wird - "im Einvernehmen" beteiligt.

"Kein Grund zur Beunruhigung", meint Parteistratege Wolfgang Mayer, das sei bisher auch immer so gehandhabt worden. Neben Haslauer als "Spin-Doctor" - einen Ministerposten in Wien lehnt er dankend ab - werden mit dem Walser Stefan Schnöll und mit dem Salzburger Nationalratsabgeordneten Asdin el Habbassi zwei Köpfe in der "Neuen Volkspartei" große Rollen spielen - sofern die "Alles oder Nichts"-Strategie bei den angekündigten Neuwahlen aufgeht. Der 29-jährige Schnöll gilt als politisches Talent und engster Vertrauter, Arbeitstier sowie exzellenter Netzwerker bis nach Brüssel. Kurz machte ihn zum JVP-Generalsekretär, Schnöll wird ihm wohl nun als Obmann folgen. Innerhalb der Partei wird ihm unter Kurz eine große Karriere vorausgesagt, in Teilen gilt er auch als "Mann fürs Grobe und der klaren Worte". Ein Mandat im neuen Nationalrat ist so gut wie fix. Spekuliert wird auch über den Posten als einflussreicher Bundesgeschäftsführer.

Welche Rolle spielt Schellhorn von NEOS?
Kurz setzte 2013 den ÖAAB-Mann Asdin el Habbassi auf die Nationalratsliste, seit langer Zeit verbindet die beiden ein vertrautes, freundschaftliches Verhältnis. Bislang ist aber noch nicht bekannt, was ihm noch zugetraut wird: "Sebastian Kurz hat ein unglaubliches Talent in Kommunikation und Leadership. Alles weitere wird sich zeigen", so der Salzburger ÖABB-Chef. Und noch ein spannender Kandidat sollte in den Kreis seiner ehemaligen Mutterpartei zurückkehren oder zumindest als Unabhängiger sich der Kurz-Liste anschließen. Der Goldegger Gastronom und NEOS-Spitzenmann Sepp Schellhorn bestätigt, dass das Kurz-Team Kontakt zu ihm aufgenommen und ihm eine tragende Rolle angeboten hat, dementiert aber einen Wechsel: "Ich bin ein wirtschaftlich liberal denkender Mensch und es geht mir um meine Themen. Entlastung der Wirtschaft, Steuerreform und weg mit dem Kammersystem und den Zwangsmitgliedschaften. Ich rede aber mit allen", so Schellhorn zur "Krone". Für die Landtagswahl wäre mit dem Wechsel der pinke Spitzenkandidat weg - sehr zum Gefallen der Salzburger ÖVP, pardon, der "Liste Wilfried Haslauer".

Michael Pichler, Kronen Zeitung

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