Türkei-Referendum

„Ausreise-Appelle sind Gift“

Murat Baser ist Vorsitzender der Islamischen Religonsgemeinde in Linz. Er glaubt, dass sich nach dem umstrittenen türkischen Verfassungsreferendum die Emotionen bei den in Oberösterreich lebenden Türken großteils wieder abgekühlt haben. Und er erklärt, warum Erdogan für viele hier Lebende solchen Reiz ausübt.

Wie ist aktuell die Stimmungslage bei den in Oberösterreich lebenden Türken?
Seit dem Referendum haben sich die Emotionen deutlich beruhigt. Vor der Abstimmung ist es bei Diskussionen manchmal aber sehr heftig geworden. Viele haben deshalb schon sehnsüchtig auf den 17. April gewartet, in der Hoffnung, dass es schnell vorübergeht.

Sie rechnen vorerst nicht damit, dass die Konflikte neuerlich aufkochen könnten?
Diskussionen wird es natürlich auch in den nächsten Tagen noch zu geben, doch ich bin zuversichtlich, dass sich die Lage bald völlig normalisiert. Ich glaube auch nicht, dass unüberbrückbare Gräben aufgerissen wurden.

Hat es im Vorfeld in den Moscheen politische Propaganda einer Seite gegeben?
Das haben wir gar nicht erlaubt. Ich selbst hab’ auch versucht, mich aus den Diskussionen herauszuhalten.

Sie haben am Referendum gar nicht teilgenommen?
Ich bin österreichischer Staatsbürger, habe deshalb auch nicht wählen dürfen.

Es gibt Leute, die sagen, dass die Türken, die für "Ja" gestimmt haben, doch zurück in die Türkei gehen sollten.
Zu sagen, ihr sollt abhauen, vergiftet das Klima massiv. Es wird doch immer vor Parallelgesellschaften gewarnt - solche Aussagen begünstigen so etwas nur.

Warum übt Erdogan auf hier lebende Türken eine so starke Anziehungskraft aus?
Ihnen schmeichelt, dass er sie ernst nimmt und sich stark um sie bemüht. Das haben die österreichischen Politiker bisher verabsäumt.

Interview: Jürgen Pachner

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