Do, 19. Juli 2018

02.10.2006 16:20

Bleibt Schüssel doch Kanzler?

Das freie Wort

Zunächst möchte ich der SPÖ und Herrn Dr. Gusenbauer zum Wahlerfolg gratulieren. Es war zudem eine eindeutige Absage an die jetzige Regierung rund um die ÖVP und Bundeskanzler Schüssel.

Wer jetzt an eine zugegebenermaßen logische Koalition zwischen Rot und Schwarz glaubt, der könnte sich meiner Meinung nach gewaltig irren.

Warum? Herr Dr. Schüssel wird wieder mit allen Mitteln seiner Kunst versuchen, die von der SPÖ angebotenen Sondierungsgespräche hinauszuzögern, um sich möglicherweise seinerseits wieder mit der rechten Fraktion zu einigen.

Ähnlich wie im Jahre 2000, als die ÖVP nur drittstärkste Partei war, Schüssel sich gegen eine große Koalition wehrte, um schließlich einen Pakt mit den Freiheitlichen einzugehen. Normalerweise wäre Jörg Haider als Chef der zweitstärksten Partei Bundeskanzler geworden, Schüssel war jedoch bewusst, dass sich halb Österreich und ganz Europa dagegen wehren würde(n). Auch die EU drohte, unser Land zu sanktionieren. Logischerweise wurde Schüssel zum Bundeskanzler ernannt, als Chef der nur drittstärksten Partei Österreichs.

Möglicherweise läuft seine Strategie wieder in eine ähnliche Richtung. Schüssel wird um eine Aussöhnung von BZÖ-FPÖ (loyale Ansprechpartner gibt es in beiden Parteien für ihn bekanntlich genug) bemüht sein, um wieder eine Mitte-rechts-Koalition, notfalls auch mit drei Parteien, realisieren zu können, natürlich mit ihm als Bundeskanzler. Seitens des BZÖ kann er sicher mit Unterstützung rechnen, da Peter Westenthaler in den letzten Tagen mehrfach die "Wiedervereinigung" des rechten Lagers propagiert hat.

Außer das BZÖ schafft aufgrund der 400.000 Wahlkarten doch nicht die 4%-Hürde und somit nicht den Einzug ins Parlament.

So viel zum Verhandlungsgeschick unseres Bundeskanzlers.




Christoph Dröscher, Tamsweg
erschienen am Di, 3.10.

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