Sa, 23. Juni 2018

Deutschfeistritz

06.09.2016 18:22

Und täglich grüßt der Lokführer

Jeden Tag ärgern sich die Bewohner der Deutschfeistritzer Ortsteile Waldstein und Himberg über mehr als 100 laute Pfeifsignale. Die Züge der steirischen Landesbahnen passieren dort einen ungesicherten Bahnübergang und müssen Passanten warnen - mit 96 Dezibel Lautstärke. Eine Ampel würde den Lärm überflüssig machen. Sie soll nun drei Jahre verspätet kommen, löst aber nicht alle Probleme.

Um 4.53 hebt es die rund 150 Anrainer laut Fahrplan aus den Betten. Da pfeift es das erste Mal - lange vor Sonnenaufgang. Dann drei Mal pro Fahrt, über 100 Mal am Tag. Das Warnsignal ist den Lokführern durch die Eisenbahnkreuzungsverordnung 2012 vorgeschrieben, weil an der Stelle ein ungesicherter Bahnübergang ist. 18 andere entlang der Strecke wurden oder werden schon gesichert. Dieser fehlt noch, obwohl er stark frequentiert und besonders gefährlich ist.

Georg Preidlers Elternhaus steht direkt beim Bahnübergang
Nun meldete sich ein prominenter Betroffener bei der "Krone": Radrennfahrer Georg Preidler, der gestern zu Wettkämpfen nach Kanada flog. "Das Haus meiner Eltern steht direkt an der Stelle. Der Nachbar hat in seinem Garten 96 Dezibel gemessen. Wir haben mit den Landesbahnen gesprochen, ob das nicht dezenter geht. Seither haben wir das Gefühl, dass da noch absichtlich provoziert wird." Preidler, der selbst schon in Graz lebt, aber von seinem alten Zimmer aus genau auf die Gleise schaut, versammelte die Nachbarn für ein Protestfoto. Den Leuten geht die Geduld aus. Sie beschwerten sich wiederholt bei den Landesbahnen und sammelten Unterschriften. Das Problem: Neben der Übelbacherstraße, von der man abbiegt, ist nicht genug Platz, dass ein Pkw dort vor einer Ampel halten könnte. Es muss also eine kreative Lösung her.

Die soll noch im Herbst in Planung gehen, wie Landesbahn-Direktor Karl Schumet bestätigt. "In der ersten Hälfte 2017 wird die Ampel definitiv gebaut", so Schumet, der die Kosten dafür im niedrigen sechsstelligen Bereich ansiedelt. Dem Wunsch der Anrainer, bereits davor Pfeifsignale durch die Verordnung einer niedrigeren Durchfahrtsgeschwindigkeit unnötig zu machen, könne er nicht entsprechen. "Dass das möglich ist, ist ein Gerücht. Der Zug muss Warnsignale geben, unabhängig von der Geschwindigkeit."

Gemeinde will Bahnbetrieb einstellen
Michael Viertler, Bürgermeister von Deutschfeistritz, verweist aber darauf, dass damit nicht alle Probleme gelöst wären. Das Hupkonzert aus Sicherheitsgründen werde auch nach der Sicherung der öffentlichen Bahnübergänge andauern, weil es daneben noch ein gutes Dutzend privater Übergänge gebe. Dafür gebe es keine Lösung, so Viertler.

Dass die Landesbahnen die Privaten einfach auf Umwege schicken möchten, bereitet ihm Bauchschmerzen. "Da wären unsere Bauern massiv betroffen. Der Gemeinderat hat bereits einstimmig die Einstellung der Bahn gefordert. Damit wären viele Probleme gelöst. Wir fordern eine Busverbindung. Die wäre flexibler, und man könnte sogar näher zu den Häusern der Einwohner kommen." Weitere Reibereien sind vorprogrammiert, auch wenn der Bürgermeister am Ende sagt: "Wir werden auf jeden Fall unseren Beitrag leisten, dass die Huperei aufhört."

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