16.08.2006 22:57 |

Appell an Regierung

Caritas-Direktor fordert Kraftakt für Altenpflege

Weil sich die Zahl der Pflegefälle auf Grund der ständig alternden Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten auf bis zu 900.000 verdoppeln wird, muss jetzt mit einer mittel- und langfristigen Strategie gegengesteuert werden. In einem dramatischen Appell fordert Caritas-Direktor Landau deshalb von der nächsten Regierung einen nationalen Kraftakt für die Altenpflege.

Michael Landau gestern zur "Krone": "Die Not der Betroffenen macht ein Handeln der Politik notwendig. Es muss ein einheitliches Gesamtkonzept für die Pflege alter, hilfsbedürftiger Menschen erstellt werden. Es muss für die Angehörigen pflegebedürftiger Personen mehr Unterstützung geben".

Zu diesem Zweck fordert Landau die Einberufung einer parlamentarischen Enquete, also dass sich alle an einen Tisch setzen, um rechtzeitig einer drohenden Katastrophe bei der Altenpflege gegensteuern zu können. Ausdrücklich begrüßt wird von Landau, dass Niederösterreichs Landeshauptmann Pröll "klare Worte zum Pflegenotstand gefunden hat, indem er die Zulassung von zusätzlichem, gut ausgebildetem ausländischen Pflegepersonal forderte".

Österreicher fürchten das Alter
Wie sehr den Österreichern die Angst unter die Haut geht, selbst ein Pflegefall zu werden und auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, zeigt das Ergebnis einer IMAS-Umfrage.Die Umfrage im Detail:

  • Knapp 80%, also vier von fünf Österreichern, sagen, sie fürchten sich, ein Pflegefall zu werden. Auch bei Jüngeren (16 bis 30 Jahre) ist diese Angst, im Alter hilflos zu sein, mehrheitlich stark ausgeprägt. Die Furcht, allein und völlig hilflos zu sein.
  • Fast 70% der Bevölkerung plagt die Furcht, allein leben zu müssen und nicht mehr in der Lage zu sein, sich zu versorgen bzw. alle notwendigen Handgriffe zu verrichten.Nach Erwin Pröll legte gestern auch die SPÖ einen Plan gegen den Pflegenotstand vor. Kommt Einrichtung eines Pflegefonds?

Als Sofortmaßnahme sollte laut SPÖ vom Bund ein mit 200 Millionen Euro dotierter Pflegefonds eingerichtet werden, der den Ländern hilft, ihre Pflegedienste auszubauen. Am wichtigsten wäre der Einsatz mobiler Pflegekräfte die ins Haus kommen, sowie der Ausbau der Nacht- und Wochenendbetreuung.

Von Peter Gnam; Foto: Peter Tomschi

Dienstag, 22. Juni 2021
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