23.04.2016 10:21 |

Stimmungsboykott

Nehmen Grazer Fan-Proteste gegen Rapid ein Ende?

Im Normalfall reist mit Ausnahme der Wiener Austria kein Bundesligist mit so vielen Fans wie Sturm Graz zu einem Auswärtsspiel gegen Rapid. Beim Gastspiel der "Blackys" am Sonntag im Wiener Happel-Stadion werden allerdings nur einige hundert Anhänger der Steirer im Happel-Stadion erwartet.

Grund dafür ist ein schon länger schwelender Konflikt zwischen Vereinsführung, Trainerstab und Mannschaft auf der einen sowie organisierter Fanszene auf der anderen Seite. Erst vor wenigen Wochen übten Fanklubs in einem offenen Brief Kritik an Coach Franco Foda und General-Manager Gerhard Goldbrich, die Anfeuerungsrufe für die eigene Mannschaft wurden massiv reduziert.

Sturm-Boss Jauk hofft auf baldiges Ende der Fan-Proteste
Dies führte wiederum dazu, dass sich die Sturm-Profis nach dem 1:0 vor einer Woche in Graz gegen den WAC nicht von der Fankurve verabschiedeten, sehr wohl aber von den Besuchern auf den Längsseiten, die das Team davor mit Sprechchören angetrieben hatten. Klub-Präsident Christian Jauk zeigte dafür Verständnis. "Das, was ich den Fans zugestehe, zu entscheiden, wie sie den Support machen, gestehe ich auch der Mannschaft zu. Die Spieler können sich so verabschieden, wie sie wollen."

Hier sehen Sie die Highlights des 1:0-Erfolgs der Grazer gegen den WAC:

Auch das Verhalten der organisierten Fanszene wollte Jauk nicht verurteilen. "Ich kann und will als Präsident nicht verordnen, wie man seinen Verein zu unterstützen hat." Außerdem meinte der 50-Jährige zu diesem Thema: "Sturm ist ein emotionaler Verein, das macht ihn auch einzigartig. Natürlich war die Situation durch den durchwachsenen Frühjahrsbeginn schwierig. Unsere Fans haben eine hohe Identifikation mit dem Klub, das bringen sie auch zum Ausdruck."

Kreissl-Engagement "hat nichts mit Fan-Wünschen zu tun"
Zumindest eine Forderung der erbosten Anhänger wurde zuletzt erfüllt. In Günter Kreissl wurde ein "Geschäftsführer Sport" engagiert, Gerhard Goldbrich konzentriert sich ab sofort ausschließlich auf wirtschaftliche Belange. "Diese Entscheidung hatte aber nichts mit Fan-Wünschen zu tun, sondern weil die Fülle der Aufgaben für Goldbrich nicht mehr umsetzbar war. Er selbst ist in dieser Sache auf uns zugekommen", betonte Jauk.

Die Verpflichtung Kreissls sei auch in der Fanszene positiv aufgenommen worden, berichtete der Sturm-Boss. "Das freut mich, weil es die Arbeit erleichtert. Er packt hart an und ist schon dabei, die Kaderplanung für nächste Saison anzugehen."

Nun hofft Jauk, dass auch durch Kreissl eine Entspannung zwischen den verhärteten Fronten eintritt. "Ich würde mir wünschen, dass es schon gegen Rapid wieder Unterstützung für die Mannschaft gibt und die Mannschaft und die organisierte Fanszene wieder eins werden."

Zumindest einen positiven Aspekt des jüngsten Zerwürfnisses stellte Jauk fest. "Die Mannschaft und das Trainerteam wurden durch die Kritik stärker zusammengeschweißt. Vielleicht hat so eine Phase also auch seine gute Seiten."

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