02.01.2016 16:58 |

In Soldaten gerast

Angriff vor französischer Moschee "kein Terrorakt"

Der Angriff auf eine Gruppe Soldaten vor einer Moschee in französischen Stadt Valence hatte laut den Ermittlern keinen terroristischen Hintergrund. Der Angreifer habe nach seinen eigenen "wirren" Aussagen die Soldaten töten oder "selbst getötet werden" wollen, erklärte Staatsanwalt Alex Perrin am Samstag. Demnach war der 29-Jährige, der mit seinem Auto auf die Soldaten zugerast war, ein Einzeltäter.

Nichts deute daraufhin, dass der Autofahrer "irgendeinem Netzwerk" angehört habe, sagte Perrin. Der Mann sei weder der Polizei noch den Geheimdiensten bekannt gewesen. Zwar gebe es Fragen hinsichtlich seiner psychischen Gesundheit, doch sei nichts über eine "psychiatrische Vergangenheit" bekannt. Der Mann ist demnach ein "gläubiger Muslim, aber nicht radikal". Er lebe in einem Vorort von Lyon, sei arbeitslos und "seit einigen Tagen" in Valence im Südosten des Landes gewesen, um seine Schwiegereltern zu besuchen.

Staatsanwalt: "Motive im Moment unerklärlich"
Weder in seinem Auto noch in seiner Wohnung seien Waffen oder Dokumente gefunden worden, die auf eine mögliche Zugehörigkeit zu einer "radikalreligiösen oder terroristischen Bewegung" schließen lassen, sagte Perrin. "Seine Motive sind im Moment unerklärlich." Allerdings habe der Fahrer während seines Angriffs "Allah ist groß" gerufen, was auf eine "gewisse Religiosität" hindeute.

Die Moschee habe nie Drohungen erhalten, sagte der Imam Abdallah Dliouah. Aus der Präfektur Drome hieß es, die Moschee sei normalerweise "sehr ruhig". Auch Bürgermeister Nicolas Daragon sprach von einer "moderaten und ruhigen" Moschee.

Täter schwer verletzt, aber nicht in Lebensgefahr
Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian würdigte am Samstag die "Gelassenheit" der Soldaten, die den Autolenker mit gezielten Schüssen außer Gefecht gesetzt hatten, und legte die Verantwortung für die Aufklärung des Angriffs in die Hände der Justiz. Der Zentralrat der Muslime Frankreichs verurteilte den "feigen" Angriff. Zugleich rief er zu Ruhe und Wachsamkeit auf. Der 29-jährige Autofahrer befindet sich nach einer Operation im Krankenhaus, seine Verletzungen seien "schwer, aber nicht lebensbedrohlich" gewesen, hieß es.

Die vor der Moschee wachenden Militärangehörigen sind Teil des Anti-Terror-Einsatzes "Sentinelle", bei dem Bahnhöfe, Touristenattraktionen und andere exponierte Einrichtungen geschützt werden. Nach den islamistischen Anschlägen von Paris im November ist die Furcht vor neuen Angriffen in Frankreich groß.

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