So, 21. Oktober 2018

In Kurdengebiet

06.12.2015 10:12

Bagdad fordert Abzug türkischer Truppen aus Irak

Die irakische Zentralregierung hat am Samstag den sofortigen Abzug der im kurdischen Norden des Irak stationierten türkischen Truppen gefordert. Die Soldaten und Panzer seien ohne Erlaubnis der Regierung ins Land gekommen, erklärte der irakische Premier Haider al-Abadi und sprach von einer "schweren Verletzung der Souveränität" seines Landes. Auch Präsident Fouad Massoum, ein Kurde, kritisierte die "Verletzung des Völkerrechts" durch Ankara.

Der türkische Botschafter wurde ins Außenministerium in Bagdad zitiert. Wie die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag meldete, waren zuvor 150 türkische Soldaten mit 20 bis 25 Panzern im Irak in der Region um Bashiqa nördlich von Mossul angekommen. Die Ölstadt Mossul im nordirakischen Kurdengebiet war im Juni 2014 an die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat gefallen.

Nach türkischen Angaben handelte es sich bei der nunmehrigen Truppenbewegung lediglich um eine Rotation innerhalb der Ausbildungsmission der türkischen Armee für kurdische Peschmerga-Kämpfer. Türkische Soldaten sollen schon seit zweieinhalb Jahren in der autonomen Kurdenregion im Nordirak stationiert sein, um die dortigen Peschmerga für den Kampf gegen die IS-Miliz auszubilden. Das Ausbildungscamp befindet sich in einem 80 Kilometer von der türkisch-irakischen Grenze entfernten Gebiet, das kurdische Einheiten kontrollieren, das aber auch von Bagdad beansprucht wird.

"Basis mit 600 Soldaten" bei Mossul?
Türkische Medien berichteten aber zugleich auch über eine weitaus umfangreichere Stationierung. "Die Türkei errichtet eine Basis in der Bashiqa-Region von Mossul mit 600 Soldaten", titelte die Zeitung "Hürriyet". Dies gehe auf eine Vereinbarung der türkischen Regierung mit dem Präsidenten der autonomen Kurdenregion, Massoud Barzani, zurück, der eng mit Ankara zusammenarbeitet - auch wirtschaftlich, etwa im Öl-Bereich.

Die Behörden der Kurdenregion erklärten, die türkische Regierung habe in den vergangen Tagen Experten und Materialien für die Vergrößerung des Militärcamps geschickt. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bestritt hingegen in einer Fernsehansprache, dass sein Land die Militäreinsätze im Irak ausweite.

Kritik an ausländischer Truppenpräsenz
Iraks Regierungschef Abadi, ein Schiit, steht unter Druck insbesondere schiitischer Kräfte, nicht noch mehr ausländische Truppenpräsenz - auch der USA - im Irak zuzulassen. Vor einigen Tagen erklärte er, jegliche Entsendung fremder Truppen auf irakischen Boden werde als "feindlicher Akt" angesehen. Im Zuge der von Washington angeführten Anti-IS-Koalition befinden sich seit dem vergangenen Jahr Tausende US-Militärberater im Irak.

Die Kurden im Nordirak, die auch von anderen Staaten mit Waffen unterstützt und ausgebildet werden, versuchten die türkische Truppenstationierung zu relativieren. Der Kommandant der Peschmerga in der Region, Nureddin Herki, sprach von einer Routinerotation. Er wies Berichte zurück, denen zufolge die Türken dort stationiert wurden, um die Stadt Mossul vom IS zurückzuerobern.

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