Mo, 24. September 2018

Nach Blatter-Rückzug

03.06.2015 11:46

Interpol macht Jagd auf FIFA-Betrüger

Interpol leistet der US-Justiz im Auslieferungsverfahren gegen frühere FIFA-Spitzenfunktionäre Amtshilfe. Das teilte die internationale Polizeibehörde am Mittwoch im französischen Lyon mit. Es geht demnach um den früheren FIFA-Vize-Präsidenten Jack Warner aus Trinidad und Tobago sowie um den Paraguayer Nicolas Leoz, ehemals Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees und südamerikanischer Verbandschef.

Auch vier Geschäftsleute werden genannt. Dabei handelt es sich um Hugo und Mariano Jinkis sowie Alejandro Burzaco aus Argentinien, die für Sportmarketing-Agenturen arbeiten. Zudem suchen die US-Behörden den Brasilianer Jose Margulies, der angeblich illegale Zahlungen vermittelt haben soll. Die Vorwürfe der US-Behörden lauten Korruption, Verschwörung und organisiertes Verbrechen.

Hier sehen Sie Joseph Blatters Rücktrittsrede vom Dienstagabend:

Interpol bat seine Mitgliedsstaaten nun mit einer sogenannten roten Ausschreibung um Amtshilfe, die sechs Personen ausfindig zu machen und festzusetzen, damit sie ausgeliefert werden können. Interpol stellte klar, dass das Ersuchen für ein Mitglied nicht verpflichtend ist. Es ist kein internationaler Haftbefehl.

Die sechs Beschuldigten stehen auf einer Liste des US-Justizministeriums, mit der am 27. Mai der jüngste FIFA-Skandal ins Rollen gebracht worden war. Schweizer Behörden nahmen sieben hochrangige Fußball-Funktionäre in Zürich in Auslieferungshaft. Warner wurde in seinem Heimatland kurzzeitig festgenommen und auf Kaution wieder freigelassen.

US-Justizministerin: "FIFA ist bis in die höchsten Ebenen korrupt"
Die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch setzt keine großen Hoffnungen in den Reformeifer des Fußball-Weltverbandes. Die FIFA sei bis in die höchsten Ebenen korrupt, sagte sie in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Wirklich beunruhigend ist, was sich im Zuge der Ermittlungen herausgestellt hat: Jedes Mal, wenn die FIFA nach internen Untersuchungen korrupte Funktionäre abgesetzt hat, wurden sie durch andere ersetzt, die genau in derselben Art und Weise weitermachten", erklärte Lynch. Diese hätten ihre neue Position vor allem als Gelegenheit gesehen, Bestechungsgelder anzunehmen. Ob es auch eine Anklage gegen Blatter geben werde, wollte Lynch nicht beantworten. "Dazu kann ich jetzt nichts sagen", meinte sie.

Blatter bei U20- WM nicht willkomen
Der noch amtierende FIFA-Präsident, der am Dienstag seinen Rücktritt erklärt hatte, ist bei der derzeit laufenden U20- Weltmeisterschaft in Neuseeland nicht wirklich willkommen. Das gab der Verbandspräsident von Neuseeland, Andy Martin, am Mittwoch in einem Interview mit dem lokalen RadioSport zu verstehen. Neuseeland hatte bei der Wahl am vergangenen Freitag dessen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein unterstützt. Über eine eventuellen Besuch von Blatter bei der U20-WM sagte Martin nun: "Wir haben noch keine Bestätigung. Ich würde gerne glauben, dass er nicht kommt, aber wer weiß. Falls er kommt, besteht die Gefahr, dass der Besuch ein Parallel-Ereignis zum eigentlichen Ereignis, nämlich dem Turnier, wird."

WM- Vergaben an Russland und Katar im Kreuzfeuer
Mit dem Blatter-Rücktritt sind auch die jüngsten, von Korruptionsvorwürfen begleiteten Fußball-WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 wieder in den Fokus gerückt. Englands Verbandschef Greg Dyke fordert unter gewissen Umständen die Neuvergabe der WM 2022. Die bei der Vergabe Katar unterlegene Föderation von Australien bezichtigt die Konkurrenz unsauberer Methoden.

Dyke ist für eine Neuausschreibung der WM 2022, sollte sich der Korruptionsverdacht bestätigen. "Wenn ich die katarischen Organisatoren wäre, würde ich heute nicht sehr gut schlafen. Wenn es Beweise geben sollte, die zeigen, dass der Bewerbungsprozess ehrlich und legal war, dann ist es gut. Wenn sich zeigen sollte, dass sie korrupt waren, dann sollten die Bewerbungen wiederholt werden, so einfach ist das", erklärte Dyke.

Über die Meinung von Dyke zur ersten WM im Mittleren Osten, sagte Scheich Hamad Bin Khalifa Bin Ahmed Al-Thani, der Präsident des katarischen Fußball-Verbandes: "Wir würden vorschlagen, dass Herr Dyke die Justiz ihre Arbeit machen lässt und sich darauf konzentriert, sein Versprechen, bis zur WM 2022 in Katar eine titelfähige englische Mannschaft aufzubauen, einlöst", so Al-Thani.

Katar hatte sich bei der Vergabe der WM gegen Australien, Japan, die USA und Südkorea durchgesetzt. Für den australischen Verbandschef Frank Lowy sei die eigene Bewerbung sauber gewesen, andere aber nicht. "Wir haben eine saubere Bewerbung durchgeführt. Ich weiß, dass das andere nicht getan haben, und ich habe mein Wissen mit den Behörden geteilt", erklärte Lowy in einem offenen Brief.

"Haben wir Fehler gemacht? Ja. Wir waren naiv", schrieb Lowy. "Als wir unsere Kandidatur erklärt haben für 2022 waren wir nicht vertraut mit den Drahtziehern in der Fußball-Welt", meinte Lowy und bezeichnete die Probleme der FIFA als "tief verwurzelt".

Russland: Blatters Rücktritt eine "unangenehme Nachricht"
Auch die Vergabe der WM 2018 an Russland ist umstritten. Kein Wunder, dass russische Medien die Rücktrittsankündigung von Blatter als eine "unangenehme Nachricht" für den nächsten WM-Gastgeber bewerteten. Russland sei "einer von Blatters treuesten Verbündeten im Kampf um den Präsidentenstuhl" gewesen, schrieb die Zeitung "Kommersant". "Der Rücktritt Blatters ist eine Tatsache, die für die russischen Interessen unangenehm und beunruhigend ist", meinte "Sport Express".

Mit "fatalen Folgen" für die WM in drei Jahren rechnet das Blatt allerdings nicht, "da bisher nichts Ernstes (gegen Russland) bekannt geworden ist". Wegen der WM-Vergaben an Russland und auch Katar 2022 ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft. Der Verfahren war von der FIFA allerdings selbst initiiert worden. Blatter ist in dem Verfahren kein Beschuldigter. Das hatte die Bundesanwaltschaft am Dienstag bekräftigt.

Sponsoren erleichtert
Große Sponsoren wie Coca-Cola, Visa, Adidas, Hyundai/Kia und Anheuser-Busch haben Blatters Rücktritt als einen positiven Schritt begrüßt. "Die heutige Ankündigung ist ein positiver Schritt für das Wohl des Sports, des Fußballs und dessen Fans", teilte der US-Getränkekonzern am Dienstag mit. Einigen Geldgebern ist Blatters Rücktritt aber nicht genug. "Das ist ein bedeutender Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens in der Öffentlichkeit, aber es bleibt noch mehr zu tun", erklärte Visa in einer Stellungnahme. "Wir erwarten, dass die FIFA sofort Maßnahmen ergreift, um sich mit den Problemen innerhalb der Organisation zu befassen." Visa hatte zuletzt gedroht, sein Sponsoring zu überdenken.

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