Sa, 18. August 2018

Jubiläumskonzert

08.04.2015 13:08

Steirischer Musikverein ist 200

Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, also lud der Musikverein für Steiermark am 7. April zum Geburtstagskonzert. Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft fanden sich im Grazer Stefaniensaal ein, um einer von Philippe Jordan schön konzipierten Schubertiade mit den Wiener Symphonikern beizuwohnen.

Im Frühjahr 1815 wurde der Musikverein gegründet, um sich in Anlehnung an den "großen Bruder" in Wien um die Musikpflege zu kümmern. Gegründet von ebenso freigeistigen wie kunstsinnigen Laien aus akademischen Kreisen, hat sich der Musikverein über die Jahrhunderte zum Profibetrieb entwickelt, zu einem Konzertbüro, das Graz an die Welt der "Ernsten Musik" andockt. Geleitet von Generalsekretär Michael Nemeth und Präsdident Franz Harnoncourt-Unverzagt, die als Gastgeber auch durch den kleinen Festakt führten, der als offiziöse Prädludium fürs Geburtstagskonzert diente. Die Liste der Ehrengäste war lang – von Bundespräsident Fischer angefangen bis hin zur Lokalpolitik. Nach kurzen Statements und Ansprachen von Fischer, LH Voves, LH-Vize Schützenhöfer und dem Grazer Bürgermeister Nagl folgte aber das, was schon 1815 im Musikverein das Eigentliche darstellte: die Musik.

Das Konzert war durchaus ungewöhnlich, samt Applaus nach allen Liedern und Einzelsätzen. Was heute eigentlich verpönt ist, und als sicheres Zeichen für Banausentum gilt, war im 19. Jahrhundert noch gang und gäbe. Philippe Jordan, seit dieser Saison Chefdirigent der Wiener Symphoniker, hat diese Praxis für ein als Schubertiade bezeichnetes Konzert wieder eingeführt. Das Orchester wiederholte in Graz sein am Ostermontag auch im TV übertragenes "Frühling in Wien"-Konzert als luxuriöses Geburtstagsständchen.

Dass mehr weniger sein kann, zeigten die Orchesterbearbeitungen von Liedern. Selbst einer der größten Schubert-Spezialisten, Bariton Matthias Goerne, kann seine Kunst da nicht voll entfalten. So behutsam die Fremd-Instrumentierungen (u. a. von Max Reger und Anton Webern) teilweise sind, so sensibel Jordan die Begleitung anlegt, dem Sänger werden hier doch Fesseln angelegt, die Gestaltungsmöglichkeiten beschränkt. Goerne, der weniger Wert auf Wortdeutlichkeit als auf ein unglaublich sinnliches Legato legt, fasziniert stellenweise: Bei "Fischers Liebesglück", wo man den Nachen sacht und schwerelos über das Wasser gleiten hört, bei den dramatischen Ausbrüchen des "Erlkönig".

Philippe Jordans Schubert-Bild ist von Klarheit und Deutlichkeit geprägt, auch wenn die Auszüge aus der Schauspielmuisk zu "Rosamunde" sehr zart und lyrisch klangen. Die Symphonie Nr. 3 mit ihren zahlreichen auffahrenden Crescendi und Sforzati gelingt vorbildlich: Federnd, kraftvoll, auch anmutig bis hin zum dahinjagenden Tarantella-Finale, wo Jordan die aberwitzigen Lautstärkenkontraste präzise realisiert. Nur die Schlussgruppe im Kopfsatz bringt der Dirigent nicht zum Glühen. Aber das hat seit Carlos Kleiber ja keiner mehr geschafft.

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