Trauer oder Instinkt?

Beste Wildtierfotos: Ein Bild geht unter die Haut

Web
15.10.2026 17:57
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein Elefant trägt sein totes Junges durch ein trockenes Flussbett – das Schwarz-Weiß-Foto zeigt einen Moment, der berührt und zugleich Fragen über das Verhalten von Tieren aufwirft. Nun wurde die Aufnahme des italienischen Naturfotografen Federico Veronesi zum besten Wildtierfoto des Jahres 2026 gekürt.

Entstanden ist das preisgekrönte Foto im Huab-Flusstal in Namibia. Veronesi war dort Elefanten auf der Spur, als er auf ungewöhnliche Schleifspuren im Sand eines trockenen Flussbetts stieß.

Als er einer Elefantenfamilie folgte, entdeckte er schließlich ein Weibchen, das sein totes Kalb trug. Eines der Beine des Jungtiers war zwischen einem Stoßzahn und dem Rüssel der Mutter eingeklemmt.

Das Bild gewährt einen eindringlichen Einblick in ein Verhalten, das Forschende bis heute beschäftigt. Sowohl bei afrikanischen als auch bei asiatischen Elefanten wurden Verhaltensweisen im Zusammenhang mit toten Artgenossen beobachtet. Dazu zählen Lautäußerungen, das Bewachen Verstorbener, das Untersuchen und Berühren von Knochen sowie das Tragen toter Tiere.

Einige Forschende vermuten, dass solche Verhaltensweisen darauf hindeuten könnten, dass Elefanten ein Verständnis für den Tod entwickeln. Andere deuten sie als mögliche Ausdrucksformen von Trauer. Was genau in den Tieren vorgeht, lässt sich daraus allerdings nicht abschließend ableiten.

Kleiner Käfer, große Anstrengung

(Bild: Oscar Whitfield, courtesy Wildlife Photographer of the Year)

Dieser Mistkäfer kämpft sich mit seiner Dungkugel einen sandigen Hang hinauf. Oscar Whitfield beobachtete das Tier während einer Familienreise in Simbabwe. Um die Mühe hinter der scheinbar einfachen Aufgabe sichtbar zu machen, fotografierte er den Käfer auf Augenhöhe. Fliegen folgten ihm dicht auf den Fersen.

Treffpunkt am Wasserloch

(Bild: James Lewin, courtesy Wildlife Photographer of the Year, Krone KREATIV)

An einem Wasserloch bespritzt ein junger Elefantenbulle Zebras mit Wasser. Fotograf Lewin setzte auf eine Infrarotkamera, um das normalerweise harte Licht weicher wirken zu lassen. So entstand die verträumte Schwarz-Weiß-Aufnahme.

Ein wachsames Auge

(Bild: Aaron Sanders, courtesy Wildlife Photographer of the Year)

Zwischen den Kelp-Algen blickt das Auge eines Gemeinen Kraken hervor. Eigentlich lebt diese Krakenart vor allem im wärmeren Mittelmeer. Doch weil sich die Meerestemperaturen im Frühjahr durch den Klimawandel erhöhen, wurden Sichtungen vor der Südwestküste Englands zuletzt deutlich häufiger. Fotograf Sanders erinnerte sich an den besonderen Moment: „Wir blieben vollkommen still und beobachteten einander – mit einer scheinbar gemeinsamen Neugier.“

Vogelgesang im Morgenlicht

(Bild: Konrad Gräeter, courtesy Wildlife Photographer of the Year)

Im Frühling suchen Amselmännchen erhöhte Plätze, von denen aus sie singen und Weibchen anlocken können. Diese Aufnahme entstand in einem Weingarten in der Morgendämmerung – zu jener Tageszeit, zu der die Vögel besonders komplexe Gesänge vortragen.

Liebesspiel der Muränen

(Bild: Tony Wu, courtesy Wildlife Photographer of the Year)

Dieses Bild könnte eine Premiere sein. Nach Angaben des Londoner Naturkundemuseums wurde das Paarungsritual von Abbotts Muränen vermutlich erstmals fotografisch festgehalten. Fotograf Wu arbeitete dafür mit Meeresbiologen zusammen und verwendete gedämpftes rotes Licht sowie ein speziell angepasstes Fisheye-Objektiv, um die Tiere möglichst wenig zu stören.

Verborgene Welten

(Bild: Alexis Tinker-Tsavalasi, courtesy Wildlife Photographer of the Year)

Mit Makrofotografie macht Tinker-Tsavalas die feinen Strukturen und Details winziger Tiere sichtbar, die im Alltag leicht übersehen werden – gerade in städtischen Lebensräumen. Seine Begeisterung für diese Art der Fotografie entwickelte sich während der Corona-Lockdowns, als er auf Lebensräume in der Nähe seines Wohnorts Berlin beschränkt war.

Die große Trennlinie

(Bild: Alex Visbal, courtesy Wildlife Photographer of the Year)

Im Rahmen eines Langzeitprojekts dokumentiert Visbal, wie stark eine einzige künstlich angelegte Trennlinie ein Feuchtgebiet verändern kann. Die auffällige rosa Färbung des Wassers entsteht durch Mikroorganismen, die sich in extrem salzhaltigem Wasser vermehren, nachdem das Gebiet von der Frischwasserzufuhr abgeschnitten wurde.

Ein Warnsignal

(Bild: Francisco Negroni, courtesy Wildlife Photographer of the Year)

Dieses Bild zeigt einen toten Puma, der in der argentinischen Provinz Santa Cruz in Patagonien als Jagdtrophäe zur Schau gestellt wird. Obwohl die Provinz die Puma-Jagd 2025 verboten hat, werden die Tiere weiterhin illegal verfolgt. Negronis Aufnahme macht auf die anhaltende Bedrohung der Raubkatzen aufmerksam.

So viele Einreichungen wie noch nie
Der Wettbewerb wird vom Londoner Naturkundemuseum organisiert und findet heuer zum 62. Mal statt. Für die Ausgabe 2026 wurden insgesamt 65.403 Bilder aus 121 Ländern und Gebieten eingereicht – so viele wie noch nie. Die prämierten Aufnahmen sollen nicht nur die Schönheit der Natur zeigen, sondern auch auf die Herausforderungen aufmerksam machen, mit denen Wildtiere weltweit konfrontiert sind.

Die prämierten Bilder werden ab Freitag, dem 16. Oktober 2026, im Natural History Museum in London gezeigt. Die Ausstellung läuft bis 11. Juli 2027 und soll anschließend auch an weiteren Orten im Vereinigten Königreich und international zu sehen sein.

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