„Eine Blamage für uns“

Schlagabtausch! Hoeneß attackiert Klopp und DFB

Fußball International
20.08.2026 17:23
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Uli Hoeneß hat nach der enttäuschenden WM mit dem Deutschen Fußball-Bund abgerechnet und damit eine scharfe Reaktion provoziert. Der Bayern-Ehrenpräsident warnt vor einer übertriebenen Erwartungshaltung rund um den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp, kritisiert dessen Berater Marc Kosicke und fordert grundlegende Veränderungen beim DFB. Verbands-Vize Ralph-Uwe Schaffert kontert deutlich.

Grundsätzlich hält Hoeneß große Stücke auf Klopp. „Ich persönlich halte Jürgen Klopp für einen sehr guten Trainer, wirklich einen sehr guten Trainer“, sagte der 74-Jährige im Interview mit RTL/Sky. Mit der Euphorie rund um den früheren Liverpool-Coach kann er allerdings wenig anfangen.

„Er kriegt jetzt schon so einen Status, als wenn er über Wasser gehen kann. Er kann auch nicht per Handauflegen alles verändern“, warnte Hoeneß. Klopp werde hart arbeiten und vieles verändern, brauche dafür aber Zeit. „Man darf vor allem nicht glauben, dass er der Messias ist.“

„Friendly takeover“ beim DFB?
Für Unmut bei Hoeneß sorgt vor allem die Rolle von Klopps langjährigem Berater Marc Kosicke, der künftig als Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation beim DFB tätig sein soll. „Was mir in der Geschichte nicht gefällt, ist, dass sein Berater Marc Kosicke mit eingekauft wurde. Ich weiß nicht genau, was er da machen soll. Das halte ich für ein Problem“, kritisierte der langjährige Bayern-Macher. Hoeneß ging sogar noch weiter: „Mir kommt die ganze Geschichte vor wie ein ‘friendly takeover‘. Klopp und Co. haben den DFB übernommen und das halte ich für falsch.“

DFB-Coach Jürgen Klopp
DFB-Coach Jürgen Klopp(Bild: EPA/Hannes Albert)

Auch die Strukturen des Verbandes gehören für den Bayern-Ehrenpräsidenten auf den Prüfstand. Vor allem die Nachwuchsarbeit müsse wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Dass Weltmeister Per Mertesacker, der jahrelang die Akademie des FC Arsenal leitete, künftig mehr Verantwortung übernehmen soll, begrüßt Hoeneß. „Wenn er es nicht kann, wer sonst?“

Hoeneß fordert zudem, die Nationalmannschaften aus dem Verband auszugliedern und in einer eigenen Gesellschaft zu führen. „Es kann doch nicht sein, dass Landesfürsten darüber entscheiden sollen, wer Bundestrainer wird. Die haben ja keine Ahnung davon“, polterte er. Der Fußball sei inzwischen derart professionell, dass auch die entscheidenden Positionen mit Profis besetzt werden müssten.

„Eine Blamage für unser Land“
Auch mit der deutschen Nationalmannschaft ging Hoeneß nach der WM 2026 hart ins Gericht. „Ich finde, die Vorstellung unserer Mannschaft war eine einzige Katastrophe. Es war eine Blamage für unser Land.“ Die Verantwortung dafür will er allerdings nicht alleine beim mittlerweile abgelösten Teamchef Julian Nagelsmann suchen. Zwar verfüge Deutschland nicht mehr über die individuelle Qualität früherer Jahre, dennoch hätte deutlich mehr möglich sein müssen. Als Vergleich zog Hoeneß Argentinien heran: „Sie haben keine gute Mannschaft, aber sie haben reingehauen wie verrückt. Das habe ich bei unserer Mannschaft vermisst.“

Vor allem fehlende Automatismen seien Deutschland zum Verhängnis geworden. „Wir hatten keine eingespielte Mannschaft. Es war alles kreuz und quer, immer wieder was Neues probiert. Das ist Aufgabe der Vorbereitung und nicht der WM.“

DFB schießt gegen Hoeneß zurück
Beim Verband kamen die Aussagen überhaupt nicht gut an. DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert reagierte auf RTL-Nachfrage mit einer deutlichen Retourkutsche. „Die jüngsten Äußerungen von Uli Hoeneß zur Verpflichtung von Jürgen Klopp zeigen deutlich, dass Herr Hoeneß weder die Struktur noch die Entscheidungsprozesse des DFB kennt“, erklärte Schaffert. Die Nationalmannschaften seien bereits seit Jahren in der DFB GmbH & Co. KG angesiedelt. Dort seien Geschäftsführer Sport Andreas Rettig – ab 1. Jänner 2027 Per Mertesacker – sowie für die Männer-Nationalmannschaft Rudi Völler verantwortlich.

Diesen Personen „kann wohl ernsthaft nicht vorgeworfen werden, dass sie keine Profis im Fußballgeschäft sind“, konterte Schaffert. Das gelte ebenso für die Aufsichtsratsmitglieder Alexander Wehrle (VfB Stuttgart), Hans-Joachim Watzke (Borussia Dortmund), Oliver Leki (SC Freiburg), Oke Göttlich (FC St. Pauli) und Steffen Schneekloth (Holstein Kiel). „Der Hinweis auf Entscheidungen durch ‘Landesfürsten‘ geht daher ebenfalls an der Realität vorbei.“

„Könnte nicht schaden, sich sachkundig zu machen“
Auch Hoeneß‘ Kritik an Kosicke ließ Schaffert nicht unbeantwortet. „Soweit Herr Hoeneß den Vertragsschluss mit Marc Kosicke unter Hinweis auf dessen Geschäftsanteile an einer Agentur kritisiert, ist ihm scheinbar entgangen, dass diese von Herrn Kosicke zuvor bereits veräußert worden sind. Die Personalie Kosicke ist im Aufsichtsrat sorgfältig beraten und sodann positiv entschieden worden.“

Zum Abschluss folgte noch eine Spitze gegen den Bayern-Patron: „Mitunter könnte es nicht schaden, sich zu Themen sachkundig zu machen, bevor man sich dazu – kritisch oder gar abwertend – äußert.“ Aus Hoeneß‘ Rundumschlag gegen Klopp und den DFB ist damit binnen kürzester Zeit ein heftiger Schlagabtausch geworden.

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