Mo, 20. August 2018

U-Boote und MiGs

21.10.2014 12:36

Was Russlands Militär schon alles verloren ging

Ein mysteriöses Objekt vor Schwedens Küste sorgt derzeit für Aufregung. Dabei soll es sich um ein russisches U-Boot handeln, was aus Moskau allerdings umgehend dementiert wurde. Handelt es sich um Überläufer, die aus der russischen Marine desertierten? Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, das der Moskauer Militärführung Kriegsgerät abhandenkommt. Neben U-Booten verlor man auch einige MiGs-Kampfflugzeuge.

Schon in der Ära des Kalten Krieges hatten U-Boot-Sichtungen vor der Küste Schwedens immer wieder für Aufregung gesorgt. Sollte es sich bei dem aktuellen Fall tatsächlich um ein russisches Schiff handeln, so würde sich der Vorfall in eine unrühmliche Tradition einreihen. Schon zu Zeiten der Sowjetunion gab es wiederholt gravierende U-Boot-Unfälle.

1961 schrammte eine sowjetische U-Boot-Mannschaft gerade noch an einer Katastrophe vorbei: K-19, das erste nuklear angetriebene U-Boot der sowjetischen Marine, erwies sich von Beginn an als ausgesprochen pannenanfällig. Auf einer der ersten Fahrten am 4. Juli 1961 fiel unweit der norwegischen Insel Jan Mayen das Kühlsystem des Reaktors aus. Es drohte eine Kernschmelze, im schlimmsten Fall sogar eine atomare Explosion.

Auf Anweisung des Kapitäns begaben sich acht Besatzungsmitglieder in den Reaktorraum, um eine provisorische Notkühlung zu installieren. Ein Super-GAU konnte verhindert werden, doch die acht Männer starben innerhalb von wenigen Wochen an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Das Unglück wurde 2002 unter dem Titel "K-19 - Showdown in der Tiefe" mit Harrison Ford in der Rolle des Kapitäns verfilmt.

USA versuchten, K-129 zu heben
Am 8. März 1968 sank das mit Nuklearwaffen bestückte U-Boot K-129 unter ungeklärten Umständen im nördlichen Pazifik. 96 Personen an Bord kamen ums Leben. CIA und US-Marine versuchten 1974 mit dem Azorian-Projekt, das gesunkene Boot mit dem Bergungsschiff Glomar Explorer, das angeblich zum Untersee-Abbau von Erz im Einsatz war, zu heben. Doch das in 5.000 Metern Tiefe liegende Wrack zerbrach beim Versuch, es mit einem Greifarm an die Oberfläche zu bringen. Nur ein Teil konnte geborgen werden.

Doch auch anderes Kriegsgerät verlor die Rote Armee. Am 6. September 1976 desertierte der Militärpilot Wiktor Belenko mit seiner MiG-25 nach Japan. Für den Westen war das ein großer Erflog im Wettrüsten gegen Moskau: Erstmals konnte das damals modernste sowjetische Kampfflugzeug eingehend untersucht werden. Der Jet wurde den Sowjets zurückgegeben - in seine Einzelteile zerlegt. Belenko erhielt Asyl in den USA und gründete später mit einer US-Amerikanerin eine Familie. In russischen Geschichtsbüchern wird er bis heute als Staatsverräter bezeichnet.

"Whisky on the Rocks" vor Schwedens Küste
Der aktuelle Vorfall in Schweden weckt Erinnerungen an U-137. Das sowjetische U-Boot der Whisky-Klasse, so der Codename der NATO, lief am 22. November 1981 an der felsigen Küste unweit des schwedischen Marinestützpunkts Karlskrona auf Grund, was westliche Medien zum Wortspiel "Whisky on the Rocks" animierte. Der Vorfall brachte der Sowjetunion jede Menge Spott und Hohn ein, zumal sich das U-Boot offenbar auf Spionagemission befand und der Kapitän behauptete, sein Kompass sei kaputt gegangen.

Weitaus tragischer war, was sich auf dem Nuklear-U-Boot K-278 am 7. April 1989 im Nordmeer zwischen dem norwegischen Festland und der Inselgruppe Spitzbergen ereignete: Durch ein geplatztes Ventil einer Hochdruckluftleitung brach im Heck des Bootes ein Brand aus. 42 der 69 Besatzungsmitglieder starben, die meisten von ihnen durch Unterkühlung im kalten Wasser, da sie es nicht geschafft hatten, vor dem Notausstieg ihre Rettungsanzüge anzulegen. An Bord befanden sich zwei Torpedos mit Atomsprengköpfen. Das Wrack, das in 1.858 Metern Tiefe liegt, wurde mit einer Schutzhülle notdürftig abgedichtet, dennoch gilt es als tickende Zeitbombe.

MiG-Absturz bei Flugshow
Am 8. Juni 1989 stürzte während der Paris Air Show auf dem Flughafen Le Bourget der damals modernste Kampfjet, eine MiG-29, ab und bohrte sich senkrecht in den Boden. Der Pilot Anatoly Kvochur konnte sich in letzter Sekunde mit dem Schleudersitz retten und kam wie durch ein Wunder ohne schwere Verletzungen davon. Er wird bis heute in Russland als Held verehrt und erhielt zahlreiche Orden. Im gleichen Jahr flüchtete ein anderer Pilot mit seiner MiG-29 in die Türkei. Er erhielt Asyl in den USA, das Flugzeug wurde zurückgegeben.

Das schwerste Unglück nach dem Zerfall der Sowjetunion ereignete sich am 12. August 2000. Das russische Atom-U-Boot Kursk nahm in der Barentssee an einem Manöver teil, als sich an Bord eine Explosion ereignete. Ursache dürfte das Triebwerk eines Übungstorpedos gewesen sein, das zu früh eingeschaltet worden war. Die Kursk sank, alle 118 Besatzungsmitglieder wurden getötet. Ein Jahr später wurde das Schiff von niederländischen Experten gehoben. Die Kursk ist das einzige Atom-U-Boot sowjetischer Bauart, das bisher geborgen werden konnte.

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